Ärzte Zeitung online, 11.06.2009

WHO erklärt Schweinegrippe zu Pandemie

STOCKHOLM/GENF/BERLIN (dpa). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe wegen ihrer starken Ausbreitung auf zwei Kontinenten zur Pandemie erklärt. Die WHO habe die höchste Alarmstufe 6 ausgerufen, teilte das schwedische Sozialministerium am Donnerstag in Stockholm mit.

"Die Lage ist nicht alarmierend. Aber wir halten es für wichtig, dass die Öffentlichkeit so schnell wie möglich informiert wird", sagte die schwedische Gesundheitsministerin Maria Larsson. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan kündigte für den späten Nachmittag (18.00 Uhr) eine Pressekonferenz an.

Zuvor war in Genf der Notfall-Ausschuss der WHO mit Krisenexperten zusammengetreten. Mit der Entscheidung gilt die Schweinegrippe als Epidemie von weltweitem Ausmaß. Für Deutschland ändert sich nach Auskunft des Robert Koch-Instituts (RKI) zunächst jedoch nichts. "Im Moment haben wir eine Situation, in der wir eine überschaubare Zahl von Erkrankungen haben", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher in Berlin. In Deutschland gebe es bereits die von der WHO in Alarmphase 6 geforderten Strukturen und Expertengespräche. Auch Bund und Länder stimmten sich bereits regelmäßig ab.

Am Mittwoch hatte Chan mit Vertretern von acht Ländern konferiert, in denen das Virus verstärkt auftritt, darunter auch Australien, wo es mittlerweile mehr als 1200 Fälle gibt. Das Virus breitet sich nach Ansicht von Experten inzwischen auf mehr als einem Kontinent durch Übertragung von Mensch zu Mensch aus - das ist die Voraussetzung für die Ausrufung der höchsten Pandemie-Alarmstufe. Stufe 6 des Pandemie- Alarmplans ist damit zu ersten Mal ausgerufen worden.

Der Plan gilt nur für neue Erreger und nicht für die gewöhnliche jährliche Grippewelle. Zuletzt hatte es 1968 eine Grippepandemie gegeben. Der WHO-Alarmplan existierte damals aber noch nicht.

Derzeit hat die WHO rund 28 000 Infektionen mit dem neuen H1N1- Grippevirus in 74 Ländern registriert. 141 dieser Erkrankten sind gestorben. Mit der höchsten Alarmstufe fordert die WHO alle Mitgliedsländer auf, ihre Gesundheitssysteme auf eine intensive Bekämpfung der Grippe umstellen. Auch sollen Impfstoffe verstärkt produziert und gelagert werden.

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