Ärzte Zeitung online, 11.06.2009

Massentests auf Schweinegrippe in der japanischen Schule in Düsseldorf

DÜSSELDORF (dpa). In Scharen treffen Familien bei strömendem Regen an der japanischen Schule im wohlhabenden Düsseldorfer Stadtteil Niederkassel ein. Eltern und Kinder tragen Mundschutz. Sie kommen zum Schweinegrippen-Test. Es herrscht Notstand, obwohl Feiertag ist. Das Gesundheitsamt ist angerückt. 560 Kinder besuchen die japanische Schule, mindestens 32 sind mit Schweinegrippe infiziert.

Rund 300 Schüler, Angehörige und Geschwister müssen einen Rachenabstrich machen und werden auf das neue H1N1-Virus getestet. Mit den infizierten Schülern ist die Zahl der Schweinegrippe-Fälle in Deutschland sprunghaft auf 118 angestiegen.

Gleich zwei Infektionsketten identifizierte das Gesundheitsamt. Ein sechsjähriger Junge war nach einem Urlaub auf der Mittelmeerinsel Malta erkrankt. Allein 25 Fälle traten aber in zwei sechsten Klassen auf, die vergangene Woche einen Bus-Ausflug unternommen hatten. Gesundheitsamtsleiter Heiko Schneitler vermutete eine Jugendherberge in Thüringen als Infektionsquelle - dies werde aber niemals genau geklärt werden können. In dem Bus habe dann eine "ideale Atmosphäre" für die Ausbreitung des Virus geherrscht.

Dass die japanische Gemeinschaft in Düsseldorf relativ unzugänglich ist, erweist sich nun als Fluch und Segen zugleich. Denn einerseits werde die Verbreitung des Virus innerhalb der engen Gemeinschaft so erleichtert, sagte Schneitler. Andererseits seien aber die Außenkontakte der Japaner begrenzt. Ganze Familien müssen nun mindestens eine Woche in Quarantäne zu Hause bleiben. Auch die erkrankten Kinder dürfen daheim genesen und müssen nicht ins Krankenhaus. "Kinder sind völlig hilflos in einer Umgebung, in der sie sich nicht sprachlich verständigen können", sagte Schneitler.

Trotz der beunruhigenden Situation verläuft der Massentest diszipliniert. Ein 40-jähriger Familienvater eilt mit Frau und achtjährigem Sohn zum Auto. Seine 11-jährige Tochter gehe in die sechste Klasse und sei infiziert worden. "Auch wir müssen jetzt zu Hause bleiben und die Testergebnisse abwarten", sagt er. "Viele Vorräte haben wir nicht", sagt der Vater und lacht hinter seinem Mundschutz. "Aber wir hoffen, dass die japanische Regierung uns hilft." Ein anderer Vater sagt: "Meine Firma hat Verständnis, dass ich nicht zur Arbeit gehen kann."

Das japanische Generalkonsulat arbeitet auf Hochtouren. "Wir liefern den Familien wichtige Medikamente nach Hause", sagt ein Konsulatssprecher. Auch stehe genügend Impfstoff bereit. Sollten die Familien Lebensmittel und Wasser brauchen, will die japanische Gemeinde helfen. Und sollte sie an ihre Grenzen stoßen, dann sei auch die Stadt bereit einzuspringen, sagt der Sprecher Kai Schumacher. Japanische Dolmetscher seien im Dauereinsatz. Die Labore arbeiteten unter Hochdruck an den Tests, sagt er.

Nirgendwo in Deutschland leben so viele Japaner wie in Düsseldorf und Umgebung. Rund 7600 wohnen allein in "Dyusseru", wie die Japaner sagen. Die Rheinmetropole hat sich in Jahrzehnten zur Basis japanischer Unternehmen in Deutschland und Europa entwickelt. Das ist nicht zuletzt der ausgeklügelten Infrastruktur zu verdanken; so wurde die japanische Schule bereits 1971 eröffnet. Japanische Restaurants, Geschäfte und Hotels gehören heute ebenso zum Stadtbild wie japanische Manager und ihre Familien.

An diesem Samstag wollen wie jedes Jahr Hunderttausende Besucher zum Japan-Tag nach Düsseldorf pilgern und das riesige Feuerwerk, Sumo-Ringer und Samuraikämpfer bewundern. Abgesagt werde das beliebte Fest wegen der Schweinegrippe aber nicht, betonte Oberbürgermeister Dirk Elbers. "Auch in solchen Zeiten halten wir zusammen."

   Die Japanische Internationale Schule in Düsseldorf wurde 1971 gegründet. Die Ganztagsschule soll Kindern und Jugendlichen, die nur vorübergehend in Deutschland sind, das Leben und Lernen erleichtern. Die meisten der derzeit fast 50 Lehrer sind von Tokio für drei Jahre nach Düsseldorf entsandt. Sie unterrichten nach japanischen Lehrplänen, so dass die Schüler bei ihrer Rückkehr in die Heimat möglichst schnell Anschluss finden.

Derzeit werden nach Auskunft der Schulleitung rund 530 Kinder und Jugendliche unterrichtet, die Düsseldorfer Behörden sprachen von 560 Schülern. Etwa 120 weitere Schüler nutzen ein Samstagsangebot, um ihre Muttersprache zu pflegen oder zu lernen. Träger der Japanischen Schule ist ein Verein.

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