Ärzte Zeitung online, 15.06.2009

Virologe vermutet hohe Dunkelziffer bei Schweinegrippe

JENA(dpa). Der Virologe Professor Peter Wutzler rechnet auch nach dem ersten Todesfall durch Schweinegrippe in Europa nicht mit einer großen Gefahr durch die Erreger. Die britische Patientin sei zusätzlich geschwächt gewesen, betonte der Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Jena.

Die Schweinegrippe sei in der Regel noch relativ ungefährlich. "Wir müssen bedenken, dass wir auch bei einer normalen Grippewelle etwa 8 000 bis 10 000 Todesfälle in Deutschland haben", sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Wutzler rechnet jedoch mit einer sehr hohen Dunkelziffer an Infizierten, da eine Infektion oftmals ohne oder nur mit geringen Symptomen verlaufe. Das sei in gewissem Sinne sogar ein Vorteil: "Die Ausbreitung ohne Symptome wird auch zur Durchimmunisierung der Bevölkerung führen." Wenn dann viele Menschen immun seien, könne das Virus keine gefährliche Seuche mehr in Europa auslösen. "Ob deshalb Impfstoffe für die gesamte Bevölkerung jemals zum Einsatz kommen, ist noch ungewiss - wenn bis dahin große Teile der Bevölkerung durchimmunisiert sind."

Wutzler ist als Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) auch in die Pandemieplanung des Bundes einbezogen. "Ein Problem wäre, wenn das Virus sich mit anderen Grippeviren mischen würde", sagte der Mediziner. "Auf der Südhalbkugel haben wir die Gefahr schon, denn da ist Winter mit entsprechender Zirkulation der saisonalen Grippeviren." Bislang habe sich das Virus noch nicht nachweislich verändert. "Es ist geblieben wie es ist."

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