Ärzte Zeitung online, 04.07.2009

Schweinegrippe-Impfstoff: Gehen viele Menschen in armen Ländern leer aus?

CANCúN (dpa). Cuauhtémoc Ruiz von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAG) kritisierte am Freitag zum Abschluss des der internationalen Grippekonferenz im mexikanischen Cancún das Verhalten der reichen Länder. Sie hätten sich bereits bis zu 80 Prozent der künftigen Produktion an Impfdosen gegen Schweinegrippe gesichert. Bestenfalls könnten die Entwicklungsländer 20 Prozent der Impfdosen erhalten.

Nach den Worten von WHO-Direktorin Margaret Chan dürften die ersten Spritzen im August dieses Jahres fertig sein, aber erst später zur Anwendung zur Verfügung stehen. "Das bedeutet, noch gibt es die Spritze nicht, die ist im Prozess der Produktion. Und der Impfstoff ist schon an die entwickelten Länder verkauft", sagte Ruiz.

Nachdem erste Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu® beobachtet worden waren, nannten die Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder Hongkong, Japan und Dänemark die Einzelfälle nicht beunruhigend. Alle drei Patienten sind bereits wieder gesund. Tamiflu®-Hersteller Roche Pharma betonte, ein geringer Anteil von Resistenzen sei zu erwarten gewesen und werde stets auch bei der saisonalen Grippe beobachtet.

Chan sagte, das Virus sei derzeit zwar nur moderat gefährlich, die Weltgemeinschaft habe die Pandemie jedoch noch nicht im Griff. Angesichts des beginnenden Winters auf der Südhalbkugel hatte die WHO vor allem die Menschen dort zu besonderer Vorsicht aufgefordert. Argentiniens Gesundheitsminister Juan Luis Manzur schätzt die Zahl der Schweinegrippefälle in seinem Land mittlerweile auf 100 000. Bislang hatte Argentinien 1587 laborbestätigte Infektionen an die WHO gemeldet. Auch andere Länder gehen von großen Dunkelziffern aus.

In London starb ein 19 Jahre alter Mann nach einer Infektion mit der Schweinegrippe. Er war durch ernsthafte andere Gesundheitsprobleme bereits geschwächt, wie die Behörden mitteilten. Die Infektion mit der Schweinegrippe war erst nach seinem Tod festgestellt worden. Damit sind in Großbritannien mittlerweile vier Menschen, die andere Vorerkrankungen hatten, nach einer Infektion mit dem neuartigen H1N1-Virus gestorben.

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