Ärzte Zeitung online, 10.07.2009

Schweinegrippe in ganz Deutschland

STOCKHOLM/ERLANGEN (dpa). Die Schweinegrippe hat alle Bundesländer erfasst. Das Saarland, das bislang als einziges Bundesland von der Krankheit verschont geblieben war, meldete am Donnerstag seinen ersten Fall. Weltweit stieg die Zahl registrierter Fälle auf mehr als 100 000.

Nach jüngsten Daten der EU-Seuchenbehörde ECDC liegen dabei mit 34 000 registrierten Erkrankungen seit Ende April weiter die USA an der Spitze, gefolgt Mexiko mit mehr als 10 000 Fällen. In Nordamerika verzeichnete die Behörde zudem etwa drei Viertel der 467 Todesfälle.

   Im Saarland habe eine 24-jährige Frau nach ihrem Urlaub auf Mallorca entsprechende Symptome gezeigt, teilte Gesundheitsminister Gerhard Vigener (CDU) am Abend mit. Ein Schnelltest und weitere Untersuchungen hätten den Verdacht bestätigt. Nach Auskunft des Robert Koch-Instituts wurden in Deutschland bis Donnerstag mehr als 640 Schweinegrippe-Infektionen gemeldet, die meisten davon seien mild verlaufen. Mehr als die Hälfte dieser Patienten hat sich innerhalb Deutschlands angesteckt.

   In Bayern wurden weitere Schulen wegen der Schweinegrippe ganz oder teilweise geschlossen. So ordnete das Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben in Oberbayern die komplette Schließung bis Ende dieser Woche an. Am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn bei Freising wurde eine 7. Klasse bis einschließlich Montag kommender Woche nach Hause geschickt. Bereits zuvor war in Bayreuth und Berlin je ein Gymnasium wegen Schweinegrippe geschlossen worden.

   In Großbritannien stieg unterdessen die Zahl der Todesfälle unter Schweinegrippe-Patienten auf 14. Wie die britische Regierung am Donnerstag mitteilte, sei jedoch nicht klar, ob die Patienten direkt an dem neuen H1N1-Virus gestorben sind. Sie seien aber infiziert gewesen. Insgesamt gibt es in Großbritannien nun 9718 bestätigte Fälle der Schweinegrippe, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Großbritannien hat damit weltweit nach Mexiko und den USA die dritthöchste Zahl an Schweinegrippefällen.

Spanien meldete am Donnerstag den zweiten Todesfall. Es handelt sich um einen 41 Jahre alten Patienten, der in einem Krankenhaus in Las Palmas auf der Kanaren-Insel Gran Canaria auf der Intensivstation lag, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Der Mann habe an einer chronischen Krankheit gelitten. Vergangene Woche war in Madrid eine in Spanien lebende Marokkanerin gestorben. Den Ärzten war es zuvor gelungen, den Sohn der im siebten Monat schwangeren Frau per Kaiserschnitt zu retten. Das Baby ist nicht mit dem H1N1-Virus infiziert. Bislang sind in Spanien 969 Schweinegrippefälle bestätigt worden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wird den Erreger künftig als "Pandemic H1N1 09 Virus" bezeichnen, wie der WHO-Generaldirektor für Gesundheitssicherheit und Umwelt, Keiji Fukuda, kürzlich in Genf bekannt gab. Die bislang beobachteten drei Fälle von Resistenzen des Erregers gegen das Grippemittel Tamiflu® bereiten der WHO kein Kopfzerbrechen. "Es handelt sich um vereinzelte Fälle, und wir haben keine Beweise für eine weitergehende Ausbreitung", sagte Fukuda.

   Die Resistenzen, die bei bereits wieder gesunden Patienten in Dänemark, Japan und Hongkong aufgetreten sind, seien durch Mutationen entstanden. Es handele sich aber nicht um eine Verbindung mit derzeit zirkulierenden saisonalen Grippeviren. Tamiflu®-Hersteller Roche hatte betont, ein geringer Anteil von Resistenzen sei zu erwarten gewesen und werde stets auch bei der saisonalen Grippe beobachtet.

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