Ärzte Zeitung, 16.07.2009

Ähnliche Altersverteilung bei Pandemie-Opfern wie 1918

Ähnliche Altersverteilung bei Pandemie-Opfern wie 1918

Foto: GSK / www.fotolia.de

Primär sterben 5- bis 59-Jährige durch H1N1/09 / Daten aus Mexiko ausgewertet

BETHESDA (hub). Die Schweinegrippe betrifft primär jüngere Menschen. Das zeigt sich auch bei Pneumonien: Hier hat es in Mexiko durch das neue H1N1-Virus eine deutliche Altersverschiebung gegeben.

Von Ende März bis Ende April dieses Jahres erkrankten in Mexiko fast 2200 Menschen an einer schweren Pneumonie. 821 Patienten kamen ins Krankenhaus, 100 starben (NEJM online). Dabei waren 71 Prozent der Pneumonie-Patienten zwischen 5 und 59 Jahre alt. Während einer saisonalen Influenzawelle entfallen auf diese Altersgruppe nur 32 Prozent der schweren Lungenentzündungen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den an Lungenentzündung gestorbenen Patienten: Hier lag der Anteil der Altersgruppe der 5- bis 59-Jährigen bei 87 Prozent - im Vergleich zu 17 Prozent während einer saisonalen Grippewelle. Dann entfallen die meisten Pneumonietoten auf unter 5- und über 60-Jährige.

Solche Altersverschiebungen habe es schon bei früheren Influenza-Pandemien gegeben, schreiben die Autoren. So war die Altersverteilung bei Todesfällen durch die Spanische Grippe 1918 ähnlich der jetzt beim H1N1/09-Virus beobachteten Verteilung (Quelle: ECDC).

Das Alter der Toten durch Schweinegrippe und saisonale Influenza unterscheidet sich deutlich.

Warum jetzt die über 60-Jährigen eher von der Schweinegrippe verschont werden, erklären die Autoren mit einer möglicherweise vorhandenen Restimmunität gegen H1N1-Viren. Solche Subtypen zirkulierten zwischen 1918 bis 1957 regelmäßig während saisonaler Grippewellen. Dann wurden sie durch H2N2-Viren verdrängt. Seit 1977 zirkulieren zwar wieder H1N1-Subtypen, die aber weniger verwandt mit den früheren H1N1-Viren seien.

Auch wenn bisher noch kein Anstieg von Pneumonien durch Sekundärinfektionen mit Pneumokokken beschrieben wurde, ist die Impfung gegen diese Bakterien fester Bestandteil des deutschen Pandemieplans. Dort heißt es, dass im Pandemiefall mit einer hohen Zahl bakterieller Superinfektionen unter anderen durch Streptococcus pneumoniae zu rechnen sei. Die Impfung aller Kinder bis 24 Monate und aller Menschen über 60 Jahre sowie chronisch Kranker wird darin als wichtiger Beitrag zur Pandemievorbereitung eingestuft.

Lesen Sie dazu auch:
Pneumokokken-Impfung bei Influenza-Pandemie!
Über 60-Jährige kaum krank durch Schweinegrippe
Schmidt verspricht Impfschutz für alle

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Jetzt schon impfen gegen Pandemie?

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »