Ärzte Zeitung online, 20.07.2009

Experte kritisiert Schweinegrippe-Hysterie

HAMBURG (dpa). Der Grippeexperte Dr. Tom Jefferson hat vor einer weltweit unbegründeten Schweinegrippe-Hysterie gewarnt. Jefferson, der für die internationale Cochrane Collaboration wissenschaftliche Studien zum Thema Influenza auswertet, hält die Grippeviren für "systematisch überschätzt".

Er erkenne keinen grundsätzlichen Unterschied zu einer normalen saisonalen Grippewelle, sagte Jefferson dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

"Ich finde es verrückt, welche Katastrophen uns Jahr für Jahr von den Grippeexperten vorausgesagt werden", sagte Jefferson. "Bislang ist keine von ihnen jemals eingetroffen." Um die Idee von der drohenden Influenza-Pandemie hätten die Weltgesundheitsorganisation WHO, Gesundheitsbehörden, Pharmaindustrie und Virologen eine Maschinerie aufgebaut. "Alles, was es jetzt noch brauchte, um diese Maschinerie in Gang zu bringen, war ein kleines, mutiertes Virus."

Tatsächlich sei das Influenza-Virus weitaus weniger bedeutsam als zumeist behauptet. Dass sich Forschung und Öffentlichkeit ausschließlich für Influenza interessieren, sieht Jefferson darin begründet, dass es einzig gegen dieses Virus Medikamente gebe: "Mit den anderen Erregern lässt sich kein großes Geld verdienen."

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Topics
Schlagworte
Schweinegrippe (1416)
Organisationen
Spiegel (1051)
WHO (3017)
Krankheiten
Grippe (3255)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »