Ärzte Zeitung online, 23.07.2009

Schweinegrippe als Urlaubsmitbringsel aus Spanien - Zahlen steigen

BERLIN/HAMBURG (dpa). Innerhalb von zwei Tagen ist die Zahl bundesweit registrierter Schweinegrippe-Fälle um etwa ein Drittel auf rund 2500 hoch geschnellt. Es gebe rund 600 Neuerkrankungen, ein Großteil der Betroffenen habe sich bei Auslandsreisen angesteckt, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin, Professor Jörg Hacker, am Donnerstag.

Nur ein Fünftel der Fälle gehe auf eine Ansteckung in Deutschland zurück, so Hacker zur dpa.

Die Behörden in den Bundesländern melden Neuerkrankungen insbesondere von Spanien-Reisenden. Experten sehen dies vor allem im Verhalten jüngerer Urlauber beispielsweise auf Mallorca begründet - wie etwa der gemeinsamen Nutzung von Trinkgefäßen, intimen Urlaubsflirts sowie dicht gedrängtem Feiern und Sonnen. "Generell gilt: Viele Menschen auf engem Raum sind immer eine Möglichkeit, sich anzustecken", sagte Hacker. Professor Dieter Häussinger von der Düsseldorfer Universitätsklinik hatte bereits darauf hingewiesen, dass Sonnenbrand und Alkohol die Immunabwehr schwächen.

Den Reisenden sei dringend zu raten, ihr Verhalten anzupassen - öfter Hände zu waschen, allzu engen Kontakt mit anderen zu vermeiden und natürlich niemanden anzuniesen, erläuterte Hacker. Ein sehr wichtiger Punkt sei auch, sich rasch freiwillig zurückzuziehen und einen Arzt aufzusuchen, wenn man bei sich selbst Symptome bemerke, betonte der RKI-Präsident. Nur so sei es möglich, die Erkrankungswelle einzudämmen.

Vom Verhalten der Menschen hänge ab, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickle. Griffen die Warnungen nicht, seien - gerade mit Blick auf die anstehende Rückreisewelle - weiter rasch steigende Zahlen möglich. "Wenn die Fallzahlen sich erhöhen, werden wir auch schwere Verläufe bekommen", warnte Hacker. Noch seien in Deutschland ausschließlich mild verlaufende Erkrankungen erfasst. "Wir sehen es generell so, dass die Erhöhung Besorgnis bei uns auslöst, aber keinen Grund zur Panik darstellt."

Behörden und Unternehmen seien aber gut beraten, eigene Pandemie-Pläne auszuarbeiten und umzusetzen. "So einen Plan gibt es auch beim RKI", sagte Hacker. Darin stünden etwa Vorsichtsmaßnahmen und Regeln, was beim Ausfall von Mitarbeitern zu tun sei. Generell gelte für Arbeitnehmer, dass sie besser erst mal zu Hause bleiben, wenn sie sich mit Schweinegrippe angesteckt haben könnten. In so einem Fall solle man sich auch besser nicht ins Wartezimmer eines Arztes setzen, sondern diesen vorab telefonisch informieren, riet Hacker.

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