Ärzte Zeitung online, 24.07.2009

Fiesta wie üblich: Mallorca trotzt Schweinegrippe

MADRID/PALMA (dpa). Die Strände sind voll, die Discos und Biergärten auch: In Deutschland mehren sich zwar die Berichte über Touristen, die mit der Schweinegrippe aus Mallorca zurückkehren, doch auf der Insel selbst geht die Party weiter. Die Urlauber auf "Malle" scheinen sich ihre Ferien durch die Schlagzeilen aus der Heimat nicht vermiesen lassen zu wollen.

"Hier hat das keine Auswirkungen, die Touristen nehmen das gar nicht so wahr", sagt etwa der Marburger Willi Kramme, der in Palma Fahrradausflüge organisiert. Auch am "Ballermann", der berühmten Strandkneipe an der Playa de Palma, herrsche Trubel wie gewöhnlich.

Kramme, der seit zehn Jahren auf Mallorca lebt, hat auch bei seiner Kundschaft keine große Beunruhigung feststellen können. "Viele empfinden das wie eine ganz gewöhnliche Grippe", berichtete der 57-Jährige am Donnerstag. Andere deutsche Mallorca-Residenten sehen das ähnlich. Das balearische Gesundheitsministerium warnt indes immer wieder vor unnötiger Panikmache. "In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung wie eine saisonale Grippe", sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Und da es sich mittlerweile um eine Pandemie handele und das H1N1-Virus weltweit frei im Umlauf sei, könne auch kaum etwas gegen die Ausbreitung getan werden.

Es könne auch nicht behauptet werden, dass sich viele Deutsche ausgerechnet auf Mallorca infiziert hätten. "Sie können sich genauso gut im Bus auf dem Weg zum Flughafen, am Flughafen selbst oder im Flugzeug angesteckt haben." Besondere Ratschläge für Urlauber gebe es nicht. "Sie sollten die gleichen Hygienemaßnahmen befolgen wie alle anderen Menschen auch." Das heißt: oft die Hände waschen, niemanden anniesen und Menschenansammlungen meiden - letzteres ist bei der Partyfraktion unter den Mallorca-Touristen allerdings nicht so einfach. Natürlich solle sich aber jeder, der Symptome aufweise, beim Arzt melden. "Das balearische Gesundheitssystem ist total auf die Schweinegrippe vorbereitet", heißt es.

Doch auch wenn manche Schlagzeilen in Deutschland auf Mallorca als ungerechtfertigte Panikmache empfunden werden - Sorgen bereiten sie den Verantwortlichen auf der Insel angesichts der schwierigen Zeiten in der Tourismusbranche schon. Es müsse verhindert werden, dass wegen der Schweinegrippe das Image der Inseln als Urlaubsziel in Mitleidenschaft gezogen werde, forderte inzwischen auch der balearische Regierungschef Francesc Antich. Er wies das Gesundheits- und das Tourismusministerium an, Aufklärungsarbeit zu leisten. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo Infektionen womöglich verschwiegen würden, gingen die Balearen völlig transparent mit dem Virus um.

Allerdings werden die Behörden auf Mallorca und auch im Rest Spaniens demnächst keine Zahlen mehr zu den bestätigten Erkrankungen veröffentlichen. Nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle künftig nur die Rate der Infizierten pro 100 000 Einwohner gemeldet werden. Nach der wohl letzten Statistik hat sich die Zahl der Schweinegrippe-Fälle auf den Balearen binnen einer Woche fast verdoppelt: von 26 auf 47. Vor einer Woche war auf Mallorca eine 32-jährige Nigerianerin an dem Virus gestorben.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »