Ärzte Zeitung online, 24.07.2009

Schweinegrippe: Behörden sehen noch keinen Handlungsbedarf

HAMBURG (dpa). Auch nach den weiter steigenden Schweinegrippe-Zahlen der vergangenen Tage sehen die Behörden in den Bundesländern die Situation noch gelassen. "Es ist alles im grünen Bereich", sagte ein Sprecher des sächsischen Sozialministeriums am Freitag.

Momentan gebe es keine Überlegungen, Großveranstaltungen oder Konzerte wegen zu hoher Ansteckungsgefahr ausfallen zu lassen, so der Sprecher zur dpa.

Beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit in Erlangen sagte eine Sprecherin, auch ein Ausbau der Krankenhaus-Kapazitäten sei derzeit nicht notwendig. Die meisten Erkrankten würden ohnehin von ihrem Hausarzt behandelt. Bundesweit sind mittlerweile mehr als 2800 Schweinegrippe-Fälle registriert.

In der Hauptstadt erklärte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung: "Wir sind weit davon entfernt, in Berlin eine kritische Anzahl von Fällen zu haben." Mit 98 bestätigten Erkrankungen gebe es derzeit "keinerlei Veranlassung", Veranstaltungen wie etwa die Leichtathletik-WM im August infrage zu stellen. Über einen solchen Schritt werde erst nachgedacht, wenn 30 Prozent der Bevölkerung erkrankt seien. In den Krankenhäusern der Hauptstadt werde derzeit vorbereitet, dass die Rettungsstellen stets besetzt sind und Amtsärzte als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium in Düsseldorf berichtete, die Absage von Großveranstaltungen wegen der Schweinegrippe obliege den kommunalen Gesundheitsämtern. Dass es rasch zu solchen Maßnahmen kommen werde, sei nicht anzunehmen. Auch beim Sozialministerium in Baden-Württemberg wird über derlei momentan nicht nachgedacht. Aktuell seien 280 Menschen erkrankt, der beste Schutz vor einer Ansteckung sei und bleibe Hygiene, erklärte eine Sprecherin.

Mecklenburg-Vorpommern ist nach Angaben des Schweriner Sozialministeriums gut auf eine drastische Ausweitung der Schweinegrippe vorbereitet. Regelmäßig träfen sich Experten des Ministeriums, der Ärzte- und der Apothekerschaft, um über die aktuelle Lage zu beraten, sagte eine Ministeriumssprecherin. Darüber hinaus sei ein Pandemieplan aufgestellt worden. Dieser sehe unter anderem vor, dass die zahlreichen Vorsorge- und Rehabilitationskliniken im Land im Notfall in Akutkliniken umfunktioniert werden können. Für Notfallmaßnahmen wie die Absage von Fußballspielen oder Open-Air-Konzerten gebe es derzeit keinen Anlass.

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