Mittwoch, 8. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 08.01.2010

Schweinegrippe-Viren sind selten gegen Tamiflu® resistent

H1N1-Viren sind gegen Oseltamivir (Tamiflu®) empfindlich. Resistenzen wurden bisher nur in Einzelfällen gefunden.

Schweinegrippe: Schweinegrippe-Viren selten gegen Tamiflu® resistent

Foto: © GSK / fotolia.com

MÜNSTER (hub). "Erste Resistenz gegen Tamiflu® in Deutschland" ging es Mitte Dezember durch die Medien. Das Uniklinikum in Münster hatte eigens zu einer Pressekonferenz geladen. In der Folge fragten auch Leser der "Ärzte Zeitung", ob Oseltamivir noch verordnet werden könne. Die Antwort ist eindeutig "ja". Denn die Resistenzen sind nur Einzelfälle.

So wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 983 Isolate des neuen H1N1-Virus vom Nationalen Referenzzentrum untersucht. Darunter fanden sich zwei Isolate mit Oseltamivir-Resistenz. Das sind gerade mal 0,2 Prozent. In den USA haben die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 2445 H1N1-Isolate untersucht, 38 hatten eine Oseltamivir-Resistenz, das sind 1,6 Prozent. Die WHO berichtet, ihr seien bis Anfang Dezember weltweit 109 Oseltamivir-resistente Isolate von Schweinegrippe-Viren gemeldet worden.

Dass nicht immer der Selektionsdruck durch Arzneiverordnung die Resistenzbildung begünstigt, zeigt etwa das saisonale H1N1-Virus: Hier hat sich eine resistente Variante durchgesetzt, obwohl wenig Oseltamivir verordnet wurde. Es ist eine Mutation entstanden, die unabhängig von der Tamiflu®-Resistenz zu einer fitteren Variante geführt hat. Nur so könne man sich erklären, dass sich die Variante innerhalb von nur wenigen Monaten weltweit durchgesetzt habe, sagte Dr. Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" bereits im Sommer 2009. Der mögliche Selektionsvorteil der Resistenz sei nicht entscheidend gewesen. "Das war kein Ereignis aufgrund eines übergroßen Selektionsdrucks, sondern ein spontanes Ereignis", so Pfleiderer damals.

Einen wichtigen Tipp nannte der Ärztliche Direktor der Uniklinik Münster, Professor Norbert Roeder, bei der Veranstaltung im Dezember: "Eine Impfung ist der beste Schutz, auch vor Resistenzbildungen. Sonst sind die Waffen, die wir haben, irgendwann stumpf."

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