Ärzte Zeitung online, 06.08.2009

Falscher Schweinegrippe-Schnelltest bei infizierter Arzthelferin

BRAUNSCHWEIG (dpa). Wegen eines fehlerhaften Schnelltests hat eine mit Schweinegrippe infizierte Arzthelferin eineinhalb Wochen lang Patienten in einer Braunschweiger Klinik betreut. Die 60 Patienten und 13 Kollegen, mit denen die 25-Jährige in der Klinikambulanz in Kontakt kam, würden nun untersucht, sagte eine Kliniksprecherin am Donnerstag. Bisher gebe es aber keine Anzeichen für eine Übertragung.

Die Frau war nach einem Urlaub auf Ibiza mit Beschwerden zur Hausärztin gegangen. Ein Schnelltest sei negativ ausgefallen, deshalb habe die Ärztin die Frau nicht krankgeschrieben. Erst der Labortest brachte die eindeutige Schweinegrippe-Diagnose.

"Es war fahrlässig, sich bei dieser Patientin mit deutlichen Grippe-Symptomen nur auf den Schnelltest zu verlassen und sie wieder zur Arbeit zu schicken, ohne das Laborergebnis abzuwarten", sagte der Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, Thomas Spieker, am Donnerstag in Hannover. Am vergangenen Samstagnachmittag sei die Probe der Frau im Landesgesundheitsamt angekommen. Da am Sonntag nur absolut dringliche Proben untersucht werden, sei das Ergebnis der 25-Jährigen am Montagmorgen per Fax an das Gesundheitsamt Wolfenbüttel geschickt worden.

Einige Experten schätzten die Schnelltests als äußerst unzuverlässig ein. Die angezeigten Ergebnisse - ob positiv oder negativ - seien in vielen Fällen falsch. "Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Schnelltests zeigen zu mehr als 50 Prozent ein falsch negatives Ergebnis an", sagte am Donnerstag der Leiter der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Professor Thomas F. Schulz, der Deutschen Presse-Agentur. Zudem seien knapp 50 Prozent der positiv angezeigten Ergebnisse falsch. Aus diesem Grund benutze die MHH zurzeit die Schnelltests in der Routinediagnostik bei der Schweinegrippe nicht, betonte der Virologe. Sicherheit gebe lediglich ein zusätzlicher Labortest.

Ob die Klinikmitarbeiterin Menschen in ihrem näheren Arbeitsumfeld mit dem Virus angesteckt hat, wird nach Angaben der Klinik nun mit Abstrichen getestet. "Die Mitarbeiterin hatte mit allen Patienten und Kollegen nur wenig direkten Kontakt. Als Arzthelferin gehören vor allem Schreibarbeiten zu ihren Aufgaben", sagte die Kliniksprecherin.

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