Ärzte Zeitung online, 20.08.2009
Schweinegrippe-Impfung:
Ärzte warnen vor Risiken
MÜNCHEN/BERLIN (dpa).
Mehrere Ärzteverbände haben angesichts der
bevorstehenden Massenimpfung gegen Schweinegrippe vor
möglichen Nebenwirkungen gewarnt. Bei der Impfung von
Risikopatienten wie chronisch Kranken und Schwangeren sei
erhöhte Sorgfalt geboten, weil der Impfstoff noch nicht an
ihnen getestet worden sei.

Foto GSK, www.fotolia.de
Bei einer Massenimpfung dieses Ausmaßes sei
möglicherweise "mit einer vermehrten Anzahl bisher unbekannter
Nebenwirkungen zu rechnen", erklärten die
Berufsverbände der Kinder- und Jugendärzte sowie der
Internisten am Donnerstag in Kreuztal bei Siegen und München.
Der Hausärzteverband kritisierte, dass die
Gesundheitsämter der Städte und Gemeinden die
Impfungen vornehmen sollen und nicht die Hausärzte. Es sei
"unverantwortlich", vor allem Risikopatienten zu impfen, ohne deren
gesundheitliche Situation zu kennen, erklärte der Verband in
Köln.
Die bisher größte Impfaktion der
Bundesrepublik soll im Herbst beginnen. Das bundeseigene
Paul-Ehrlich-Institut hatte bereits darauf hingewiesen, dass beim neuen
Impfstoff Nebenwirkungen wie Schwellungen oder Kopfschmerzen eher zu
erwarten seien als bei der üblichen saisonalen Grippeimpfung.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, sie
würde eine Impfung von Kindern nicht empfehlen, bis nicht alle
Studien abgeschlossen seien.
Der Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline (GSK) wies
Vorwürfe zurück, er habe Bund und Länder
beim Abschluss von Verträgen über den
Schweinegrippe-Impfstoff unter Druck gesetzt. Nach Angaben des
Branchendienstes Apotheken Adhoc forderte der Konzern die
Bundesländer auf, ihre Bestellungen wegen der "weltweit
großen Nachfrage" innerhalb von nur zwei Tagen verbindlich zu
bestätigen. Eine Unternehmenssprecherin erklärte am
Donnerstag in München, man habe die Bestätigung der
gewünschten Menge gebraucht, um Planungssicherheit zu bekommen.
Schmidt hatte am Mittwoch erklärt, sie habe sich
anfangs von der pharmazeutischen Industrie unter Druck gesetzt
gefühlt. Die Industrie habe Bestellungen erwartet, obwohl noch
niemand gewusst habe, ob eine Impfung überhaupt empfohlen
werde. "Da haben die (Pharmaunternehmen) ein Stück gespielt,
indem sie versucht haben, die Länder gegeneinander
auszuspielen", sagte Schmidt. GSK sprach dagegen von einem "fairen
Umgang zwischen den Vertragspartnern". GSK habe der Bundesregierung
auch die Möglichkeit eingeräumt, die bestellte Menge
zu modifizieren.
Nach Angaben von Apotheken Adhoc wies GSK die Ministerin im
Juni "höflich aber bestimmt" darauf hin, dass man verbindliche
Unterschriften unter den Bestellvereinbarungen wünsche. Die
Unternehmenssprecherin erklärte, die Herstellung des
Impfstoffs dauere mehrere Monate. "Es ist daher wichtig, bereits zu
einem frühen Zeitpunkt zu wissen, welche Mengen an Impfstoff
hergestellt wird."
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch grünes Licht
für eine Schweinegrippe-Massenimpfung gegeben.
Zunächst soll die Hälfte der gesetzlich Versicherten
- bis zu 35 Millionen Bundesbürger - von Herbst an freiwillig
gegen die Neue Grippe geimpft werden. Das Ziel ist aber, dass alle
Versicherten einen Anspruch auf kostenlose Impfung bekommen. Der
Impfstoff wird derzeit noch getestet.
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