Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Schweinegrippe: Auch bei Quarantäne gibt es fürs Personal Lohnfortzahlung

NEU-ISENBURG (bü). Knapp 14 000 Menschen, die in der Bundesrepublik leben, sind - seitdem die Kranken gezählt werden - mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert worden. Das Virus wirkt sich auf die Arbeitswelt aus. Deshalb gibt es für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer ein paar Dinge zu beachten. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter erkrankt oder in Quarantäne muss, so hat der Anspruch auf Lohnfortzahlung. Und die kommt zunächst vom Arbeitgeber.

Schweinegrippe:
Auch bei Quarantäne gibt es fürs Personal
Lohnfortzahlung

Foto: GSK, www.fotolia.de

Für Medizinisches Fachpersonal eine Selbstverständlichkeit, aber auch für Patienten, die in anderen Branchen arbeiten gilt: Wer sich mit dem Virus infiziert hat, muss seinen Arbeitgeber informieren. Unterlässt der ("wissende") Mitarbeiter die Information, so handelt er vorsätzlich. Und das kann drastische Konsequenzen haben. Denn wenn der Mitarbeiter sicher weiß, dass er eine ansteckende Erkrankung hat und trotzdem zur Arbeit geht, dann muss er mit Schadenersatzforderungen rechnen; wenn etwa ein Kollege, der von ihm angesteckt wurde, arbeitsunfähig ausfällt. Es handelt sich um eine Pflichtverletzung, die sogar zu einer fristlosen Kündigung führen kann.

Es kann auch sein, dass Arbeitnehmer wegen des H1N1-Virus zu Hause bleiben müssen, ohne dass sie selbst damit infiziert sind. Denn fürchtet die Landesgesundheitsbehörde, dass jemand Viren-Träger sei und in seinem Job andere anstecken könnte, so kann das Amt Quarantäne anordnen.

Wer aber in einem solchen Fall in Quarantäne muss, der hat keinen Anspruch auf Krankengeld aus der Krankenversicherung, da er nicht selbst krank - also auch nicht "krank geschrieben" - ist. Vielmehr hat der Arbeitnehmer gegen die Behörde, die ihm verbietet zu arbeiten, einen Anspruch auf Entschädigung für den Verdienstausfall. Doch das Geld bekommt er nicht direkt von der Behörde. Er erhält seinen Lohn weiter von seinem Arbeitgeber. Der aber kann die Erstattung nach dem Infektionsschutzgesetz bei der Gesundheitsbehörde geltend machen.

Im Grundsatz unterscheiden sich die Regeln kaum von denen bei anderen Krankheiten. Ein Arbeitnehmer muss ein ärztliches Attest vorlegen wenn er arbeitsunfähig ist und erhält dann Lohnfortzahlung. Auch die Erkrankung eines Familienmitglieds bedeutet nicht, dass Angestellte automatisch daheim bleiben dürfen. Ohne das Einverständnis des Arbeitgebers darf der Arbeitnehmer nicht von der Arbeit fernbleiben - oder er muss die Konsequenz tragen, im Extremfall seinen Job zu verlieren. Auch wer Bedenken hat, sich bei einem Familienmitglied angesteckt zu haben, benötigt erst eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt, bevor er zu Hause bleibt. Damit wäre dann auch die Fortzahlung des Einkommens gesichert.

Umgekehrt können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht belangen, wenn sie zur Arbeit kommen, obwohl sie sich nicht ganz gesund fühlen und sich später herausstellt, dass sie Schweinegrippe hatten und Kollegen angesteckt haben. Es wird für den Chef sehr schwierig sein, dem Mitarbeiter nachzuweisen, dass er andere vorsätzlich angesteckt hat. Dieser Vorsatz müsste aber gegeben sein. "Falscher Ehrgeiz" allein jedenfalls reicht nicht aus. Wer dennoch beweisen will, dass er "bis zum letzten Atemzug" für seinen Vorgesetzten da sein wird, der kann vom Arbeitgeber nach Hause geschickt werden. Zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen ...

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