Ärzte Zeitung, 12.10.2009

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Schweinegrippe-Impfung:Gesundheitsberufe, Chroniker und Schwangere zuerst!

Für bestimmte Altersgruppen reicht eine Dosis des H1N1-Impfstoffs Pandemrix®. Sollte doch noch eine zweite Dosis nötig sein, kann nachgeimpft werden.

Von Michael Hubert

Die beiden Hauptzielgruppen für die Schweinegrippe-Impfung sind - außer Beschäftigte im Gesundheitsdienst - chronisch Kranke und Schwangere. Bei beiden Gruppen ist das Risiko, durch eine Infektion mit dem pandemischen H1N1-Virus in die Klinik zu müssen oder zu sterben, deutlich erhöht. Das hat eine Reihe von Studien aus den USA, Kanada und Australien ergeben (Epid Bull 41, 2009, 411). Je nach Studie lag bei 50 bis 80 Prozent der Patienten mit schweren Schweinegrippe-Verläufen eine Grunderkrankung vor.

Schweinegrippe gefährlich besonders für Chroniker

Zahlen aus Kanada und Australien geben ein Beispiel: So haben in diesen beiden Ländern 19 und 18 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Grundkrankheit. Bei Patienten, die bei einer H1N1-Infektion stationär behandelt werden müssen, beträgt der Anteil derjenigen mit Grunderkrankung dagegen 54 (Kanada) und 61 Prozent (Australien). Demnach ist das Risiko für Hospitalisierungen durch Schweinegrippe für Chroniker um das Fünf- bis Siebenfache erhöht, bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre sogar um den Faktor 14.

Wer soll gegen Schweinegrippe geimpft werden?
Gesundheitsberufe, Chroniker und Schwangere zuerst!
Indikationsgruppe
1. Beschäftigte in Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit Kontakt zu Patienten oder infektiösem Material.
2. Personen im Alter ab 6 Monate mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wegen Grundleiden wie chronische Krankheiten der Atmungsorgane, chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Malignome, Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, neurologische und neuromuskuläre Grundkrankheiten, angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- oder B-zellulärer Restfunktion, HIV-Infektion.
3. Schwangere (ab zweitem Trimenon vorzugsweise) und Wöchnerinnen.
4. Haushaltskontaktpersonen, die eine mögliche Infektionsquelle für ungeimpfte Risikopersonen (s. 2. und 3. und Säuglinge unter 6 Monaten) sein können.
5. alle übrigen Personen ab dem Alter von 6 Monaten bis 24 Jahren.
6. alle übrigen Personen im Alter von 25 bis 59 Jahren
7. alle übrigen Personen ab 60 Jahre
Quelle: STIKO-Empfehlungen, Epid Bull 41, 2009, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG

An Schweinegrippe zu sterben ist für Chroniker ebenfalls wahrscheinlicher, nämlich um das Vier- bis Vierzehnfache. Bei Patienten unter 18 Jahren ist Asthma mit 30 Prozent die führende Grunderkrankung, gefolgt von kognitiven und neuromuskulären Erkrankungen. Erwachsene, die wegen Schweinegrippe in die Klinik mussten, hatten zu 27 Prozent Asthma, zu 25 Prozent Diabetes und zu 20 Prozent KHK (NEJM 361, 2009, 1). Wie zu erwarten, gab es häufig auch Komorbiditäten.

Das Risiko von Schwangeren, wegen einer H1N1-Infektion in die Klinik eingewiesen zu werden, ist nach Studien aus Kanada und Australien vierfach erhöht, das Risiko, an der Schweinegrippe zu sterben, sogar sechsfach höher - im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt. Aus diesen Gründen stehen Chroniker und Schwangere auch in Deutschland oben auf der Impfliste.

Wer braucht wie viele Impfdosen Pandemrix®?
Zwischen 10 und 60 Jahren reicht eine Erwachsenendosis aus.
Altersgruppe Anzahl der Impfdosen
Kinder von 6 Monaten bis 9 Jahren zwei halbe Erwachsenendosen (0,25 ml) im Mindestabstand von drei Wochen
Personen von 10 bis 60 Jahren eine ganze Erwachsenendosis (0,5 ml)
Erwachsene über 60 Jahre zwei ganze Erwachsenendosen (0,5 ml) im Mindestabstand von 3 Wochen.
Quelle: vorläufige Empfehlungen von PEI und RKI, Epid Bull 41, 2009, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG

Nicht alle brauchen zwei Schweinegrippe-Impfungen

Für den Impfstoff, mit dem in Deutschland demnächst die Impfungen gegen Schweinegrippe beginnen (Pandemrix®), haben Dosisfindungsstudien ergeben, dass zumindest für Erwachsene im Alter von 18 bis 60 Jahren auch eine einmalige Impfung wirksam ist. Sollte nach Vorliegen weiterer klinischer Daten doch eine zweite Impfung nötig sein, kann diese problemlos nachgeholt werden. Die derzeitigen Empfehlungen von Paul-Ehrlich- und Robert-Koch-Institut würden dann angepasst, so die beiden Institute (Epid Bull 41, 2009, 425). Mit einer Entscheidung wird Mitte November gerechnet.

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Lesen Sie dazu auch:
Schweinegrippe-Impfung startet ab dem 26. Oktober

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