Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Studie: Impfstoff gegen Schweinegrippe gut verträglich

HAMBURG/BERLIN (dpa). Der Impfstoff gegen die Schweinegrippe ist einer Studie zufolge gut verträglich. Wie der Radiosender NDR 90,3 am Freitag berichtete, kann er in vielen Fällen sogar niedriger dosiert werden als bislang angenommen. Dies sei der Zwischenstand einer Untersuchung aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz. Vom 19. Oktober an können die Bundesländer die Impfdosen in Berlin abholen.

Studie: Impfstoff gegen Schweinegrippe gut verträglich

Die von der Bundesregierung bestellten 50 Millionen Impfdosen werden nach den Ergebnissen der Studie, an denen auch das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin beteiligt ist, für mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausreichen. Zunächst war geplant, die Menschen zweimal zu impfen. Kinder und Erwachsene bis 60 Jahre müssten jedoch nur einmal geimpft werden, um gegen das Schweinegrippe-Virus geschützt zu sein, empfahl Jakob Cramer, der die Studie in Hamburg koordiniert. Lediglich ältere Menschen sollten sich zweimal impfen lassen, weil ihr Immunsystem stärker stimuliert werden müsse.

Nach Cramers Angaben ist es bei den Studienteilnehmern nur zu leichten Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Gliederschmerzen gekommen. Diese Ergebnisse seien repräsentativ, er habe keine Bedenken, den Impfstoff nun im großen Umfang einzusetzen, sagte Cramer. Einzige Ausnahme seien Schwangere, denen eine Impfung ohne das sogenannte Adjuvans empfohlen werde, das dem Impfstoff beigefügt ist, um seine Wirkung zu verstärken. Diese Variante des Impfstoffs sei allerdings in Deutschland noch nicht verfügbar.

Das Robert Koch-Institut (RKI) warnte davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Man müsse damit rechnen, dass es im Winter zu mehr und auch zu schwereren Erkrankungen komme, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Aus den bislang meist milden Krankheitsverläufen und relativ geringen Fallzahlen könne man nicht auf ein geringeres künftiges Risiko schließen. Das Virus habe das Potenzial, sich zu verändern und weiter zu entwickeln.

Die Schweinegrippe-Impfung soll in Deutschland am 26. Oktober oder wenige Tage darauf starten. Nach neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollen zunächst Medizinpersonal sowie Menschen mit chronischen Krankheiten geimpft werden. Dazu zählen Krankheiten der Atmungsorgane sowie Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenleiden, Diabetes oder eine HIV-Infektion. Zudem sollten Schwangere geimpft werden, vorzugsweise ab dem vierten Monat. Später könnten sich alle übrigen Menschen impfen lassen.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie befürwortet Impfungen für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, deren Krankheit schwer verläuft oder die eine Therapie erhalten, die das Immunsystem dämpft. Da Verträglichkeitsstudien mit dem Impfstoff bei Rheumapatienten jedoch fehlten, sei vor der Impfung eine ärztliche Beratung nötig.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »