Ärzte Zeitung online, 19.10.2009

Schweinegrippe: Gesundheitsexperte Lauterbach kritisiert Innenministerium

BERLIN (dpa). Die Pläne, Mitglieder der Bundesregierung mit einen Schweinegrippe-Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker zu impfen, stießen auf scharfe Kritik. Der SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach etwa kritisierte die unterschiedliche Versorgung mit Impfstoffen, weil der Eindruck einer Zweiklassenmedizin entstehe.

Regierung und das für die Zulassung vom Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut versicherten, es gebe kein größeres Risiko für die Bevölkerung.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte die unterschiedliche Versorgung mit Impfstoffen scharf: "Dieser Vorgang ist äußerst unglücklich. So entsteht der Eindruck einer Zweiklassenmedizin bei der Impfung. Innenminister Wolfgang Schäuble hatte hier nicht das notwendige Gespür", sagte er der "Bild am Sonntag".

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Bundesregierung vor, sie setze "die Bevölkerung einem Großversuch mit einem nicht getesteten Impfstoff aus und lässt sich selbst ohne Nebenwirkungen schützen". Das dürfte die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen, weiter vermindern, befürchtet er laut einer Mitteilung vom Samstag.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte der "BamS" die Sonderbestellung. "Das deutsche Beschaffungsamt hat einen Rahmenvertrag mit der Firma Baxter, die nur einen Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker anbietet", gab sie als Erklärung an. Schon zuvor hatte die Bundesregierung betonte, alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe seien eingehend untersucht und für sicher und wirksam befunden worden. Das Paul-Ehrlich-Institut erklärte: "Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff."     

Einige Ärzte warnen allerdings vor im Vergleich stärkeren Nebenwirkungen bei Impfstoffen mit Wirkstoffverstärkern. Mögliche Nebenwirkungen einer Grippeimpfung sind etwa Hautrötungen und Gliederschmerzen. Der Start der Impfungen gegen die Schweinegrippe ist für den 26. Oktober vorgesehen.

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