Ärzte Zeitung online, 20.10.2009

Kinderärzte gegen Bundeswehr-Impfstoff für Kinder

MÜNCHEN (dpa). Deutsche Kinderärzte warnen vor dem Einsatz des Bundeswehr-Schweinegrippeimpfstoffs bei Kindern und Schwangeren. Für den Impfstoff Celvapan® lägen keine Daten zu Kindern und Schwangeren vor.

Kinderärzte
gegen Bundeswehr-Impfstoff für Kinder

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"Der Impfstoff, den die Bundeswehr benutzen wird, ist völlig neu - er wird auf Säugetierzellen gezüchtet und verwendet ganze Viren. Dieses Serum wurde bisher weder an Kindern noch an Schwangeren getestet", betonte der Direktor der Universitätskinderklinik Mainz, Professor Fred Zepp, in einer Mitteilung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte am Dienstag in München.

Auch für den Einsatz bei Erwachsenen lägen im Gegensatz zu den Impfstoffen mit Verstärker (Adjuvans) bisher nur begrenzt Daten vor. "Empfehlungen, diesen Impfstoff gegen die Neue Grippe gerade für Kinder und Schwangere zu bevorzugen, entbehren gegenwärtig einer wissenschaftlichen Grundlage", sagte Zepp.

Der Verband beruft sich auf Angaben des Herstellers Baxter, demzufolge Daten von nur etwa 600 Erwachsenen vorlägen. Diese seien lediglich mit einer ähnlichen Substanz geimpft worden, dieser Impfstoff habe noch den Vogelgrippestamm H5N1 enthalten, nicht die Schweinegrippeviren H1N1. Darüber hinaus stünden von diesem Impfstoff nur vergleichsweise kleine Mengen zur Verfügung.

Auch das Bundesgesundheitsministerium hat den Vorstoß zurückgewiesen, die Impfstoffe gegen Schweinegrippe für Soldaten und für Schwangeren zu tauschen. Das eine Serum hat Wirkungsverstärker, das andere nicht. Auch der von Ärzte-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery für Schwangere befürwortete Stoff Celvapan® könne Nebenwirkungen hervorrufen, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater am Dienstag der dpa in Berlin. "Montgomery ist nicht auf der Höhe der Zeit."

Montgomery hatte vorgeschlagen, den Impfstoff Celvapan® für Schwangere und Kinder einzusetzen und Pandemrix® dafür für Soldaten, Krisenstabs-Mitarbeiter und Bundespolizisten. Derzeit ist es umgekehrt geplant.

"Celvapan® ist ein Impfstoff, der auch Fieber auslösen kann, vielleicht sogar mehr als der andere", hielt Vater dem entgegen. Auch Pandemrix® sei nach Rücksprache mit dem Arzt für Schwangere geeignet. "Jede schwangere Frau, die sich fragt, ob sie sich impfen lassen soll, macht das am besten mit ihrem Arzt aus", sagte Vater. "Ein Risiko besteht nicht für die Schwangere, aber für das Kind kann Fieber gefährlich werden." Dem Ärzte-Vizepräsidenten warf Vater Verunsicherung der Bürger vor.

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