Ärzte Zeitung online, 25.10.2009

Schweinegrippe-Impfung - so läuft es in anderen Ländern

HAMBURG (dpa). In Deutschland beginnt an diesem Montag die Impfaktion gegen die Schweinegrippe. In den USA, Frankreich und Großbritannien ist die Immunisierung schon angelaufen, Argentinien kam ohne Impfaktion über den Winter.

Die Situation in einigen Ländern:

  • Frankreich: In Frankreich fiel der Startschuss für die Impfung am vergangenen Dienstag. Zuerst kommen Ärzte und Krankenschwestern an die Reihe. Ab November können sich alle Franzosen eine Spritze gegen das neue H1N1-Virus geben lassen. Vorrang haben Schwangere, Kleinkinder und ihre Betreuer sowie Kranke und Senioren. Das Land hatte schon im Juli 94 Millionen Dosen Impfstoff bestellt, um mindestens 70 Prozent der Bevölkerung zweimal im Abstand von drei Wochen impfen zu können.
    Jetzt meinen Experten, eine einzige Impfung jedes vierten Bürgers sei genug. Paris stellt daher neun Millionen Dosen für Entwicklungsländer bereit. Zwei von drei Franzosen lehnen eine Impfung ab. Selbst von den niedergelassenen Ärzten will sich nach einer Umfrage der Ärztezeitung "Le Quotidien du Médecin" nur jeder zweite impfen lassen.

  • USA: In den USA läuft die Impfaktion schleppend. Die Regierung hatte 250 Millionen Impfdosen bestellt, 120 Millionen sollten gegen Ende Oktober bereits zur Verfügung stehen. Mittlerweile rechnen die Gesundheitsbehörden mit maximal 40 Millionen Dosen, die bis Anfang November zur Verfügung stehen sollen. Vielerorts sind Massen-Impfungen in Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und auch Supermärkten verschoben worden. Dort, wo sie vorgenommen werden, bildeten sich oft lange Schlangen.
    Nach einer Umfrage wollen 35 Prozent der Erwachsenen "ganz bestimmt" das Impfangebot annehmen. Allerdings gaben fast 40 Prozent aller Eltern an, dass sie nicht vorhätten, ihre Kinder impfen zu lassen. Drei von zehn Erwachsenen haben Zweifel, dass der Impfstoff "sicher" ist.

  • Dänemark: Die dänische Regierung hat Impfstoff für etwa ein Drittel der 5,5 Millionen Bürger bestellt. Ein Angebot zur kostenlosen Impfung bekommen neben bestimmten Gruppen mit hohen gesundheitlichen Risiken alle Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie "Schlüsselpersonen in für die Gesellschaft wichtigen Funktionen". Dazu gehören unter anderem Regierungsbeamte, Lehrer, und Polizisten.
    Unter anderem soll damit verhindert werden, dass die Polizei wegen der Schweinegrippe beim Kopenhagener Klima-Gipfel im Dezember nicht voll einsatzfähig ist. Dänemark verwendet den Impfstoff Pandemrix® von GlaxoSmithKline, den auch der größte Teil der impfwilligen Deutschen bekommen soll.

  • Norwegen: Norwegens Gesundheitsbehörden wollen alle 4,5 Millionen Bürger gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Hintergrund ist, dass es in Norwegen mit zehn Todesopfern, darunter einem Jugendlichen, die bisher höchste Zahl an Toten in Skandinavien gibt. Man könne nicht vorhersagen, welche Bevölkerungsgruppen am meisten betroffen sein werden, deshalb sei man für flächendeckende Impfungen, hieß es in Oslo. Als Impfstoff soll Pandemrix® benutzt werden.
  • Österreich: Österreich wird ab Dienstag zunächst 300 000 Krankenhausmitarbeiter gegen die Schweinegrippe impfen. Nach der Immunisierung des gesamten Krankenhauspersonals - Ärzte, Krankenschwestern, Köche, Reinigungskräfte - kann sich vom 9. November an auch der Rest der Österreicher auf freiwilliger Basis impfen lassen. Bevorzugt würden Schwangere und chronisch Kranke, hieß es. Die Alpenrepublik will ausschließlich mit dem Impfstoff Celvapan® von Baxter impfen, der aus ganzen Viren hergestellt wird und ohne Wirkstoffverstärker auskommt.
  • Großbritannien: Im Land mit den meisten Schweinegrippe-Toten in Europa wurde das Impfprogramm am vergangenen Mittwoch gestartet. Zuerst sollten "Risikogruppen" wie schwer kranke Krankenhauspatienten sowie medizinisches Personal geimpft werden. An diesem Montag wird der Impfstoff an die Arztpraxen verteilt. Zuerst kommen Menschen mit gesundheitlichen Problemen sowie Schwangere an die Reihe. Eine Impfung für die gesamte Bevölkerung ist bisher noch nicht vorgesehen. Verwendet werden die Impfstoffe Pandemrix® und Celvapan®, letzterer für Menschen mit Eiweiß-Allergie. In Großbritannien wurden bisher 128 Todesfälle im Zusammenhang mit der Schweinegrippe registriert.
  • Argentinien: In Argentinien sollen sich nach Schätzungen 20 Prozent der Bevölkerung mit dem neuen H1N1-Virus infiziert haben. Das wären acht Millionen Menschen. 580 Menschen starben an der Schweinegrippe, proportional zur Bevölkerung waren das mehr als irgendwo sonst. Obwohl in den Wintermonaten auf der Südhalbkugel noch kein Impfstoff vorhanden war, überstand das Land die erste Grippewelle. Das Thema ist inzwischen völlig aus der öffentlichen Diskussion verschwunden.

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