Ärzte Zeitung online, 01.11.2009

Virologe: Keine Panik, aber impfen!

HALLE (dpa). Der Virologe Professor Alexander Kekulé aus Halle hat nach den jüngsten Todesfällen durch die Schweinegrippe vor Panikmache gewarnt, zugleich aber zum Impfen aufgerufen. Dem Sender MDR Info sagte Kekulé am Samstag, es sei seit langer Zeit bekannt, dass durch die Schweinegrippe auch Menschen ohne Vorerkrankungen sterben können.

"In sehr seltenen Fällen ruft die Schweinegrippe eine direkte Lungenentzündung hervor", erklärte der Forscher von der Universität Halle-Wittenberg. "Das Virus kann ganz unmittelbar die tiefen Atemwege befallen und wirkt dann tödlich." Am Freitag war in Deutschland erstmals eine Frau ohne Vorerkrankungen an der Schweinegrippe gestorben.

Kekulé empfahl, sich impfen zu lassen. Die Nebenwirkungen seien zwar ärgerlich, müssten aber in Kauf genommen werden. "Der Impfstoff ist leider nicht optimal." Die Schweinegrippe selbst sei auf jeden Fall schlimmer als die Nebenwirkungen der Impfung.

Nach Angaben von Kekulé sollte man sich zunächst gegen die saisonale Grippe impfen lassen und später, wenn der Impfstoff verfügbar sei, auch gegen die Schweinegrippe. Er rechne damit, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen weiter ansteigen. "Jede Grippe hat im Winter ihre Hochsaison. Unser Immunsystem ist schlechter, die Atemwege sind trocken. Deshalb können sich Viren dort besser ansiedeln." Es werde im Winter zunehmend schwerere Fälle geben.

Zum MDR-Hörbeitrag "Kekulé empfiehlt Impfung trotz möglicher Nebenwirkungen"

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Streit um Schweinegrippe-Impfung

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