Ärzte Zeitung, 20.11.2009

Stimmung zu Schweinegrippe-Impfung ist gekippt

Stimmung zu Schweinegrippe-Impfung ist gekippt

Nordrhein-Westfalen hat bisher 1,5 von knapp 12 Millionen Impfdosen erhalten

DÜSSELDORF (hub). Die bisher eher negative Einstellung zur Schweinegrippe-Impfung ist in Deutschland gekippt. Plötzlich scheint der Impfstoff knapp zu sein.

"Noch vor zwei Wochen hatten wir befürchtet, auf der Hälfte der Impfdosen sitzen zu bleiben", sagte Walter Frie, Ministerialrat im Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalens. "Jetzt ist aber viel zu wenig Impfstoff da." Für das bevölkerungsreichste Bundesland seien knapp zwölf Millionen Impfdosen geordert, so Frie. Bisher wurden 1,5 Millionen Dosen Pandemie-Impfstoff geliefert. Auch im ersten Quartal 2010 werde in NRW also noch geimpft, so Frie bei einer Medica-Veranstaltung des Logistics Council Germany, einer Initiative der Bundesregierung. In NRW kommen jede Woche vier bis sechs Paletten Pandemrix® an. Der Impfstoff werde einmal wöchentlich an 450 Apotheken verteilt, die dann die Ärzte beliefern.

"Die volkswirtschaftlichen Kosten einer Influenza-Pandemie sind kurzfristig", sagte Dr. Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. "Nach der Pandemie wird es einen nachholenden Konsum geben." Global sei mit Schäden von bis zu fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu rechnen.

Erkranken 15 Prozent der 80 Millionen Einwohner Deutschlands an einer Influenza, sinkt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent. "Das entspricht einer Summe von zehn Milliarden Euro", sagte Schmidt in Bezug auf Modellrechnungen seines Instituts. "Erkrankt jeder zweite Einwohner, ist mit einem Rückgang des BIP um 1,6 Prozent zu rechnen", so Schmidt. An absoluten Kosten entspreche das 40 Milliarden Euro.

Zur Kosten-Nutzen-Relation von Pandemie-Maßnahmen sagte der Ökonom: "Wenn die Impfungen die Erkrankungsrate in Deutschland um nur zwei Prozentpunkte senken, rechnet sich das bereits."

Unterdessen kursieren im Internet Kopien der Verträge, die das Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) mit Bund und Ländern zur Herstellung eines Pandemie-Impfstoffs der zweiten Generation abgeschlossen hat. GSK bestätigte auf Anfrage, dass die Kopien den Ende 2007 abgeschlossenen Verträgen entsprechen.

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