Ärzte Zeitung, 25.11.2009

Schweinegrippe: Fördert Adjuvans ALS und MS?

Schweinegrippe: Fördert Adjuvans ALS und MS?

Eine Kollegin fragt: Vor allem einige Hebammen und Heilpraktiker behaupten, die Adjuvanzien in Impfstoffen (vorwiegend Squalen) würden sehr häufig zu Erkrankungen wie "ALS" oder "MS" führen. Was ist davon zu halten?

Dr. Jan Leidel: Verstehen Sie das bitte nicht als Zeichen von Arroganz, aber es beginnt mich zu nerven, dass sich die Experten von der WHO und den europäischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention sowie vom Paul-Ehrlich- und vom Robert-Koch-Institut aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse übereinstimmend äußern und sich dann mit Meinungen von dafür eigentlich nicht speziell qualifizierten Personen auseinandersetzen müssen.

Also: Es gibt tatsächlich theoretische Überlegungen, ob potente Immunstimulanzien wie die Squalen-haltigen Adjuvanzien nicht auch unerwünschte Immunreaktionen fördern und zum Beispiel Autoimmunerkrankungen (wie ALS und MS) hervorrufen können. Ihre Formulierung "sehr häufig" bedeutet im Zusammenhang mit Schutzimpfungen mehr als einmal pro 10 Impfungen! Das findet natürlich überhaupt nicht statt. Squalen-haltige Adjuvanzien sind etwa in dem saisonalen Influenza-Impfstoff Fluad® über 40 Millionen Mal angewendet worden. Es werden mit Sicherheit unter diesen über 40 Millionen geimpften Personen auch solche sein, die zum Beispiel ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) entwickelt haben: von 10 Millionen Menschen erkranken binnen 6 Wochen ohne irgendeine Impfung 22 an GBS.

Genau so wird es auch Menschen unter den Geimpften geben, die an ALS oder MS erkrankt sind. Davor schützt die Impfung nicht. Aber die Krankheiten sind nach allem, was wir wissen, nicht ursächlich auf die Impfung zurückzuführen. MS oder ALS kommen unter geimpften Personen nicht häufiger vor als unter nicht geimpften.

Weitere Fragen im Schweinegrippe-Forum:
Chronisch kranke Kinder bevorzugt gegen impfen?
Zwei Impfdosen bei Immunsuppression?
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