Ärzte Zeitung online, 24.11.2009

Internist kritisiert Impfmüdigkeit

Internist kritisiert Impfmüdigkeit

DRESDEN (dpa). Nach Ansicht des Dresdner Internisten Professor Gerhard Ehninger lassen sich zu wenige Mediziner und Pflegekräfte gegen die Schweinegrippe impfen. "Es ist bekannt, dass es Abteilungen in deutschen Krankenhäusern gibt, wo kein einziger Mitarbeiter zur Impfung gegangen ist", sagte der Mediziner vom Universitätsklinikum Dresden am Dienstag gegenüber dpa.

In anderen Kliniken seien nur einzelne Mitarbeiter geimpft, auch in Geburtshilfeabteilungen. Genaue Statistiken jedoch fehlten bisher. Die teils sehr niedrige Zahl der Geimpften unter Ärzten, Pflegern und Schwestern sei "völlig unverständlich". Impfwilligen werde sogar unter Verweis auf Nebenwirkungen oder Harmlosigkeit der "natürlichen" Grippe von der Impfung abgeraten.

Zulassungsbehörden und Ständige Impfkommission blieben dagegen auch unter Kenntnis der bisherigen Erfahrung bei ihrer positiven Bewertung der Impfstoffe. "Da sollte man sich auch einmal auf Expertengremien verlassen und Einzelmeinungen hintenanstellen", so Ehninger.

"Aus der Entwicklung in der vergangenen Wintergrippensaison 2009 in Australien kann man ableiten, dass wir mit 500 Todesfällen bundesweit rechnen und weitere 1200 Erkrankte über längere Zeit beatmet werden müssen." In Australien habe das zu Engpässen auf Intensivstationen geführt.

"Teilweise mussten Routineoperationsprogramme eingestellt werden", mahnte Ehninger. Nach Erfahrungen früherer Pandemiewellen könnte eine zweite Erkrankungswelle laut Ehninger zu wesentlich höheren Krankheits- und Todeszahlen führen.

Lesen Sie dazu auch:
Professor: Deutsche sollten sich gegen Schweinegrippe impfen lassen

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