Ärzte Zeitung online, 27.11.2009

US-Ärztin erkrankte zweimal an H1N1 - im Sommer und im Herbst

US-Ärztin erkrankte zweimal an Schweinegrippe - im Sommer und im Herbst

CROSS LANES (ars). In den USA ist eine Ärztin offenbar zweimal innerhalb von zwei Monaten an Schweinegrippe erkrankt. Beide Male wurden Berichten zufolge die Proben doppelt getestet und dabei die Befunde bestätigt.

Das erste Mal erkrankten Dr. Debra Parsons, eine Kinderärztin am Krankenhaus in Cross Lanes im Bundesstaat West Virginia, und ihr Sohn im August an grippeähnlichen Symptomen. Proben wurden eingeschickt, die Auswertung ergab: H1N1. Mutter und Sohn erholten sich, erkrankten aber im Oktober erneut und diesmal schlimmer, mit Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Atemnot, berichtet die Zeitung "Charleston Daily Mail" unter Berufung auf die Centers for Disease Control (CDC). Wieder wurden von beiden Patienten Abstriche im Labor getestet, wieder dieselbe Diagnose: Schweinegrippe. Auf eine Anfrage an die CDC hin erhielt Parsons die Antwort, dass eine zweimalige Ansteckung mit Schweinegrippe generell möglich sei. Auch bei der saisonalen Grippe passiere das jedes Jahr.

Allerdings hatte die Behörde in einer Mitteilung Ende Oktober bekannt gegeben, dass Menschen, die eine H1N1-Infektion durchgemacht haben, sich nicht impfen zu lassen brauchen, weil man nicht zweimal an demselben Virusstamm erkranken könne. Dr. Rahul Gupta, Direktor des Kanawha-Charleston Health Department sagte, er wisse von keinerlei Hinweisen, dass ein Mensch zweimal an Schweinegrippe erkranken könne. Bisher gebe es dazu keine medizinischen Fallbeschreibungen. Weil Skepsis aufkam, wurden die Sommer- und Herbstproben von Parsons erneut geprüft - wieder mit dem gleichen Ergebnis.

Die Möglichkeit, dass eine Mutation des Virus eingetreten ist, schließt Gupta aus. Dafür lägen keine Anhaltspunkte vor, das Virus sei genetisch stabil. Als weitere Erklärung käme infrage: Einer der Tests war falsch positiv. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering, denn es handelte sich um PCR-Tests, die in einem staatlichen Labor erfolgten. Allenfalls wäre bei Menschen mit Immunschwäche eine doppelte Ansteckung denkbar, aber auch diese Möglichkeit streitet Parsons für sich ab.

Nach Angaben eines Sprechers des West Virginia Department of Health and Human Resources ist allen vorliegenden Informationen zufolge die Wahrscheinlichkeit einer zweimaligen Infektion "sehr, sehr gering". Wenn man einmal infiziert worden sei, bilde sich eine natürliche Immunität - so wie bei Mumps oder Windpocken.

In Deutschland dagegen hatte Dr. Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen schon vor Monaten vorhergesagt, dass die Schweinegrippe wie andere Pandemien auch vermutlich in mehreren Wellen ablaufen werde. Und wer sich im Sommer infiziere, sei im Herbst oder Winter eher nicht geschützt. Zumal eine mild verlaufende Infektion keine Immunantwort erzeuge, die qualitativ so hochwertig sei, dass der Körper mit einem virulenteren Virus fertig werde. Bereits bei anderen Erregern habe sich herausgestellt, dass milde, subklinisch verlaufende Infektionen keine ausgeprägte Immunität hinterlassen. Deshalb sei es gerechtfertigt, Menschen, die schon Schweinegrippe hatten, zu impfen, weil man nicht davon ausgehen könne, dass sie einen Immunschutz haben.

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