Ärzte Zeitung online, 02.12.2009

Ist der Scheitelpunkt der zweiten Schweinegrippe-Welle erreicht?

Ist der Scheitelpunkt der zweiten Schweinegrippe-Welle erreicht?

BERLIN (eb). Bei der Verbreitung der Neuen Influenza (Schweinegrippe) in Deutschland ist möglicherweise ein Scheitelpunkt erreicht. Dies wurde am Mittwochvormittag in der Sitzung des Gesundheitsausschusses deutlich.

Wie der Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI), Professor Jörg Hacker, dabei berichtete, wurden bislang insgesamt 172 000 Erkrankungen durch das neue H1N1-Virus gemeldet. Während es in der vergangenen Woche mehr als 23 000 Fälle gewesen seien, habe diese Zahl in der Woche davor noch bei 33 000 gelegen. Dies zeigt laut Hacker, dass der "Gipfel des Geschehens" möglicherweise erreicht sei. Gleichwohl ist der Bundesregierung zufolge aber auch in den kommenden Wochen mit einem weiteren Anstieg der Infektionen sowie der schweren Krankheitsverläufe und der Todesfälle zu rechnen, teilt die Bundestagsverwaltung mit.

Wie Hacker erläuterte, wurden in Deutschland bis Dienstagnachmittag insgesamt 66 Todesfälle gemeldet. Bei den meisten Gestorbenen seien Risikofaktoren wie Vorerkrankungen hinzugekommen. Insgesamt würden jedoch zumeist milde Krankheitsverläufe verzeichnet. Auch sei von Arztpraxen ein leichter Rückgang bei den Konsultationen wegen Atemwegserkrankungen gemeldet worden.

Während dabei den Angaben zufolge in Bayern der Gipfel bereits überschritten zu sein scheint, wird in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern noch eine Zunahme registriert. "Die Winterwelle hält an, hat aber möglicherweise den Scheitelpunkt erreicht", sagte Hacker. Nach seinen Worten erkranken vor allem junge Menschen an der Neuen Grippe.

Der bisherige Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Professor Johannes Löwer, schloss nicht aus, dass noch mit einer weiteren Welle zu rechnen sei. Er verwies darauf, dass vergangene Pandemien in mehreren Wellen abgelaufen seien. Die Zahl der in Deutschland bislang erfolgten Impfungen gegen die Neue Influenza bezifferte Löwer auf grob geschätzt etwa zwei Millionen. Nebenwirkungen seien in 660 Fällen gemeldet worden.

Während in den Sommermonaten die Mehrzahl der gemeldeten H1N1-Infektionen aus dem Ausland eingeschleppt worden waren, sind nach Angaben der Bundesregierung 95 Prozent der seit Ende September gemeldeten Erkrankungen in Deutschland erworben worden.

Die SPD-Fraktion erkundigte sich in der Sitzung unter anderen nach der Altersverteilung bei den genannten Todesfällen sowie nach dem Impfgrad bei Migranten. Auch fragte sie nach den möglichen Folgen der bevorstehenden Reisewelle mit Blick auf die Neue Grippe.

Die FDP-Fraktion wollte wissen, wie verlässlich die Meldeverfahren sind und was mit überschüssigen Impfdosen passiert. Zugleich warf sie die Frage auf, wie sinnvoll die Schließung von Schulen wegen der Neuen Grippe ist.

Die Fraktion Die Linke erkundigte sich, welche Arten von Nebenwirkungen bei der Impfung erfasst werden. Daneben thematisierte sie ebenso wie die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Frage des Impfstoffes für Schwangere. Zudem wollte die Grünen-Fraktion wissen, wie der Grad der Durchseuchung der Bevölkerung einzuschätzen ist.

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