Ärzte Zeitung, 08.12.2009

Kinder mit Sichelzellanämie unbedingt impfen!

NEW ORLEANS (nsi). Kinder mit Sichelzellanämie haben ein hohes Risiko für Komplikationen nach einer Schweinegrippe-Infektion. Für sie ist eine Impfung gegen die Neue Grippe besonders wichtig.

Kinder mit Sichelzellanämie unbedingt impfen!

Eine Infektion mit saisonalen Influenzaviren gefährdet Kinder mit Sichelzellanämie deutlich stärker als Kinder ohne chronische Erkrankungen: Der Anteil von Kindern in dieser Gruppe, die hohes Fieber und ein schweres Atemnotsyndrom bekommen, ist deutlich höher als bei Kindern der übrigen Bevölkerung. Besonders hoch ist das Risiko für lebensbedrohliche Grippe-Komplikationen bei der H1N1-Influenza - nämlich drei Mal höher als für Kinder mit Sichelzellanämie, die an einer saisonalen Influenza erkranken.

Das hat eine Studie ergeben, die Professor John Strouse von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore bei der Hämatologen-Tagung ASH am Wochenende in New Orleans vorgestellt hat. "Für Kinder mit Sichelzellanämie ist es extrem wichtig, dass sie gegen die H1N1 geimpft werden", sagte Strouse.

Der Pädiater hat die Krankheitsverläufe von 118 Kindern (unter 18 Jahre) mit Sichelzellanämie verglichen. Sie wurden zwischen 1994 und 2009 wegen Grippe an der Klinik behandelt. Darunter waren - seit April 2009 - 28 Patienten mit Neuer Grippe. Die Rate von Kindern mit akutem respiratorischen Syndrom betrug 35 Prozent bei Neuer Grippe und 12 Prozent bei saisonaler Influenza. Zwei Prozent der Kinder mit saisonaler Grippe mussten intensivmedizinisch behandelt werden, zwölf Prozent waren es bei H1N1-Infektion. Und acht Prozent der 28 Patienten mussten beatmet werden, dabei kein Kind mit saisonaler Influenza.

Transfusionen wurden bei einem Drittel der wegen einer H1N1-Infektion stationäre behandelten Kinder erforderlich, bei 13 Prozent in der Vergleichsgruppe war dies der Fall. All diese Unterschiede seien mit p-Werten unter 0,05 hoch signifikant gewesen, berichtete Strouse. Drei der 28 an der neuen Grippe erkrankten Kinder waren gegen H1N1 geimpft, aber erst wenige Tage vor Erkrankungsbeginn, so dass vermutlich noch keine schützenden Antikörpertiter vorhanden waren. Der Altersdurchschnitt der Kinder mit schweren Krankheitsverläufen lag bei jenen mit Schweinegrippe bei 9,3 Jahre, in der Gruppe mit saisonaler Influenza bei 4,3 Jahre.
"Nach allem, was wir über Impfungen von Kindern mit Sichelzellanämie gegen die saisonale Grippe wissen - gegen diese sollten sie ebenfalls geimpft werden - dürfte die Ausbildung einer Immunantwort auch gegen die H1N1-Vakzine wie bei altersentsprechenden Vergleichsgruppen verlaufen", sagte Strouse zur "Ärzte Zeitung".

Der Grund für die erhöhten Risiken der Influenza bei diesen Patienten liege vermutlich darin, dass sich krankheitsbedingt die Blutgefäße in der Lunge leichter durch die fehlgebildeten Erythrozyten verstopfen oder durch fetthaltige Emboli. Die besonders schweren Verläufe durch H1N1-Viren beruhten vermutlich darauf, dass die Erreger für das Immunsystem neu seien.
Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 1000 bis 1500 Menschen mit einer Sichelzellanämie leben.

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