Ärzte Zeitung online, 24.12.2009

Normale Grippe-Impfung verstärkt Wirkung der Schweinegrippe-Impfung

WASHINGTON (dpa). Die Spritze gegen die saisonale Grippe verstärkt die Wirkung des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe. Zu diesem Ergebnis kamen niederländische Forscher bei Versuchen mit Frettchen. Allerding schützt die Impfung gegen saisonale Influenza nicht vor Schweinegrippe.

Normale Grippe-Impfung verstärkt Wirkung der Schweinegrippe-Impfung

Foto: © Outstyle / fotolia.com

Frettchen dienen als Modellorganismen für Grippe-Infektionen bei Menschen. Das Team um Dr. Rino Rappuoli von der Erasmus-Universität in Rotterdam hatte die Impfreaktionen bei acht Gruppen mit je sechs Frettchen verglichen. Die Tiere aus sechs Gruppen bekamen eine Impfung gegen die saisonale Grippe der Saison 2008/09. Vier Wochen später wurde ihnen ein Impfstoff gegen die Schweinegrippe injiziert. Dabei wurden zur Hälfte Impfstoffe mit und ohne Wirkstoffverstärker verwendet (Science Translational Medicine).

Einen Monat nach der zweiten Impfung wurden die Tiere einer massiven Dosis Schweinegrippe-Viren ausgesetzt. Anschließend wurde an Gewebeproben aus der Lunge untersucht, ob und wie stark sich die Frettchen infiziert hatten.

Ergebnis: Den besten Schutz bot eine Kombination der Impfungen gegen die saisonale Influenz und die Schweinegrippe, jeweils mit einem Adjuvans. Bei den so behandelten Tieren habe sich kein Virus im Lungengewebe gefunden. Diese Frettchen hatten zudem eine große Zahl von Antikörpern gebildet, schreiben die Forscher.

Das Phänomen gehe wahrscheinlich auf Zellen des Immunsystems zurück, die bei der ersten Impfung aktiviert werden. Basis für die verstärkte Immunisierung könnten etwa Abwehrzellen wie T-Zellen vom Typ CD4+ sein oder sogenannte B-Gedächtniszellen.

Die Abwehr von CD4-Zellen richtet sich gegen Proteinstrukturen von Grippeviren, die beständiger sind als die Merkmale der Virenhülle, die als Basis der jährlich neu kombinierten Grippeimpfstoffe dienen. Die B-Zellen sind Informationsspeicher für die Bildung von Antikörpern gegen eine bereits durchlebte Krankheit.

An der Studie waren Wissenschaftler des Pharmakonzerns Novartis beteiligt. Die verwendeten Schweinegrippe-Viren stammten von einer Dreijährigen, deren Erkrankung der erste bestätigte Fall von Schweinegrippe in den Niederlanden war.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »