Ärzte Zeitung online, 23.12.2009

Schweinegrippe-Impfung wird zum Politikum

PARIS (dpa). Der Höhepunkt der Infektionswelle ist überwunden, das "Massensterben" ist ausgeblieben - Jetzt wird die Schweinegrippe in Frankreich zum Politikum. Im Zentrum der Kritik stehen die hohen Kosten, die Organisation der Impfkampagne und die Aufforderung, Grippekranken systematisch das Mittel Tamiflu® zu geben.

Schweinegrippeimpfung wird zum Politikum

Foto: GSK / fotolia.de

In der vergangenen Woche ging die Zahl der Arztbesuche wegen Grippeanzeichen von fast 800 000 auf 570 000 zurück. "Wir haben zweifellos den ersten Epidemiegipfel überschritten", erklärte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am Mittwoch. Knapp 5,5 Millionen Franzosen wurden bislang als erkrankt erfasst, 176 starben - sehr viel weniger als befürchtet.

Einschließlich der Infizierten, die gar nicht erst zum Arzt gingen, könnten sich schon mehr als zehn Millionen mit dem Virus infiziert haben. Sie wären damit ebenso immunisiert wie die 4,5 Millionen Geimpften. Auf je 2000 Impfungen kommt dabei nach einer Bilanz des Instituts Afssaps ein Fall mit schweren Nebenwirkungen. Viele Ärzte raten ihren Patienten mittlerweile wegen des milden Krankheitsverlaufs und der Nebenwirkungen von der Impfung gegen das "Grippchen" ab.

Die Ärzteschaft ist verärgert, weil sie nicht in den Praxen impfen darf, aber im Zweifelsfall in Impfzentren aushelfen soll. Dort werden wegen der hohen Kosten schon Studenten ohne Entgelt zwangsverpflichtet. Rund 1,3 Milliarden Euro kostet die Impfkampagne. Davon entfallen 712 Millionen auf den Impfstoff. 94 Millionen Impfeinheiten hatte Frankreich früh - und damit offenbar vorschnell und überteuert - gekauft. Ein Drittel davon hätte ausgereicht, um die Bevölkerung zu schützen.

Auf Kritik der Ärzteschaft trifft die Regierung auch mit ihrer Empfehlung, Kranken systematisch Tamiflu® zu geben. Die Empfehlung stehe "im Widerspruch zu den verlässlichen wissenschaftlichen Daten", erklärten Ärzte in einem Schreiben an das Gesundheitsministerium. Rund 800 Ärzte stellten sich bereits hinter den Brief.

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