Ärzte Zeitung online, 11.08.2010

WHO: Schweinegrippe-Pandemie ist vorbei

WHO: Schweinegrippe-Pandemie ist vorbei

Für das neue H1N1-Virus gilt jetzt die post-pandemische Phase

GENF (hub). Die WHO hat die Pandemie-Stufe für die Schweinegrippe zurückgenommen. H1N1 ist nun in der post-pandemischen Phase. "Pandemien sind nicht vorhersagbar, genauso wenig wie die Viren, die sie verursachen", sagte WHO-Generalsekretärin Dr. Margaret Chan und forderte die Staatengemeinschaft auf, auch weiterhin wachsam zu sein.

WHO: Schweinegrippe-Pandemie ist vorbei

Die große H1N1-Pandemie ist vorüber, sagt die WHO in Genf. Verschwunden sei das Virus aber noch nicht.

© P. Virot / WHO

"Wir sind jetzt in der post-pandemischen Phase, das heißt aber nicht, dass das H1N1-Virus verschwunden ist", warnte Chan auf der WHO-Website. Ausgehend von den Erfahrungen früherer Pandemien gehe man davon aus, dass H1N1 sich nun wie ein saisonales Influenzavirus verhält und für einige Jahre weiter zirkuliere. "Das Ausmaß und das Muster der aktuellen H1N1-Übertragungen unterscheidet sich deutlich von dem während der Pandemie", so Chan weiter. H1N1-Ausbrüche außerhalb der üblichen Grippesaison würden nun nicht mehr berichtet, weder auf der Nordhalbkugel, noch im Süden. "Die Intensität entspricht jener saisonaler Epidemien."

H1N1 ist jetzt nicht mehr das dominierende Virus

Während der Pandemie hatte das neue H1N1-Virus saisonale Influenzaviren verdrängt und wurde zum dominierenden Virus. "Das ist nicht länger der Fall", so Chan. Viele Länder melden einen Mix aus mehreren Grippeviren, wie er typisch für saisonale Epidemien ist. Pandemien seien jedoch nicht vorhersagbar, auch nicht das Verhalten des Schweinegrippe-Virus in der jetzt herrschenden unmittelbaren post-pandemischen Phase. "Die weitere Überwachung des Geschehens ist daher extrem wichtig", betonte Chan. Auch in der jetzigen Phase könne das Virus weiterhin schwere Erkrankungen bei jüngeren Menschen hervorrufen.

Chan wies noch einmal daraufhin, dass während der Pandemie ein kleiner Teil der H1N1-Infizierten eine schwere Form einer primären viralen Pneumonie entwickelt hatte, die untypisch für saisonale Grippe-Epidemien war. Zu dieser Gruppe gehörten auch junge und gesunde Menschen. Ob sich das in der post-pandemischen Phase ändere, sei unklar. "Das betont die Bedeutung der weiteren Überwachung."

Saisonale Grippeimpfstoffe enthalten drei Virusstämme

Die WHO weist auch auf die Notwendigkeit der Impfung hin und empfiehlt weiter, Menschen mit hohen Risiken gegen H1N1 zu impfen. Vor allem wenn keine trivalenten saisonalen Grippeimpfstoffe verfügbar sind, rät die WHO, auch weiterhin monovalente H1N1-Impfstoffe zu verimpfen.

Für die EU ist die Zulassung der Pandemie-Impfstoffe nur gültig, solange die WHO-Pandemiestufe 6 gilt. Stuft die WHO zurück, erlöschen die Zulassungen. Ausnahme: Die Hersteller haben eine reguläre Zulassung (auch außerhalb der Pandemie) ihrer Impfstoffe beantragt und erhalten.

Eine positive Stellungnahme der europäischen Arzneimittelbehörde EMA für eine Änderung des Zulassungsstatus (Umwandlung in eine volle Zulassung) der pandemischen Impfstoffe Celvapan®, Focetria® und Pandemrix® liegt bereits vor. Die voraussichtlich ab September verfügbaren saisonalen Grippeimpfstoffe enthalten drei Komponenten: das H1N1-Virus, ein H3N2- und ein B-Typ-Virus.

Auch H1N1-Geimpfte können saisonale Vakzine erhalten

Auch wenn die Impfrate gegen das Schweinegrippe-Virus in Deutschland mit maximal acht Prozent sehr niedrig ist, wird es zum saisonalen Impfstoff eine Reihe von Fragen geben. Eine wird sein: "Kann, darf und soll ich mich impfen lassen - auch wenn ich schon gegen Schweinegrippe geimpft bin?". Hierzu erklärte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf Anfrage der "Ärzte Zeitung": Die einmal erfolgte Impfung mit einem pandemischen H1N1-Impfstoff stellt keine Kontraindikation gegenüber der saisonalen Influenzaimpfung dar.

Bereits in der vergangenen Saison wurden viele Menschen gleichzeitig oder kurz hintereinander mit dem pandemischen H1N1-Impfstoff und dem saisonalen Influenzaimpfstoff für die Saison 2009/2010, der die bis dahin zirkulierende saisonale H1N1-Komponente enthielt, geimpft, ohne dass vermehrt über Nebenwirkungen berichtet wurde.

Klinische Studien zur gleichzeitigen Verabreichung beider Impfstoffgruppen erbrachten auch keine besonderen Nebenwirkungsprofile. Insofern ist auch für die kommende Impfsaison nicht mit zunehmenden Nebenwirkungsraten zu rechnen, wenn Personen, die bereits eine pandemische Impfung erhalten haben, nun auch den neuen Impfstoff für die Saison 2010/2011 erhalten, der dasselbe Impfantigen enthält wie der ursprüngliche Pandemieimpfstoff.

Das Robert Koch-Institut in Berlin (RKI) hat hierzu eine umfassende Sammlung häufig gestellter Fragen (FAQ) in Form einer PDF-Broschüre auf seiner Homepage veröffentlicht.

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