Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 16.09.2010

Co-Infektionen mit verschiedenen Influenza-Viren in Neuseeland

Zu Beginn der Pandemie zirkulierten saisonale und pandemische H1N1-Viren

Co-Infektionen mit verschiedenen Influenza-Viren in Neuseeland

UPPER HUTT (hub). Die Co-Infektion einer Zelle mit zwei Influenza-Viren unterschiedlicher Stämme birgt das Risiko einer neuen Reassortante. Das pandemische H1N1-Virus hätte so auch resistent gegen Oseltamivir werden können - oder wesentlich pathogener.

Forscher aus Neuseeland sind bei der Analyse von Zellkulturen des Schweinegrippe-Virus zufällig auf Co-Infektionen mit saisonalen H1N1-Viren gestoßen, die gegen Oseltamivir (Tamiflu®) resistent sind. Zu diesem Befund kamen sie, als sie pandemische Influenza-Viren in Kultur auf Tamiflu-Resistenzen untersuchten.

Nach ihrem Zufallsbefund machten sie die Forscher an die Analyse von 1044 Proben von Patienten, die positiv auf das Schweinegrippe-Virus getestet wurden. Dazu nutzen sie das hochsensible molekularbiologische Verfahren der real-time-PCR. In den über 1000 Proben wurden 11 Co-Infektionen detektiert, was einer Rate von 1,1 Prozent entspricht.

Die Proben stammten alle aus der zweiten Junihälfte des vergangenen Jahres. In dieser Periode seien beide H1N1-Viren in Neuseeland zirkuliert: das saisonale und das pandemische, schreiben die Autoren in einem Online-Journal der Centers for Disease Control and Prevention (Emerging Infectious Diseases 2010; 16). Ein Impfstoff sei in dieser Zeit bekanntlich nicht verfügbar gewesen.

Auch wenn die Rate von Co-Infektionen niedrig sei, weisen die Ergebnisse darauf hin, dass es während der ersten Phase der Pandemie - als beide H1N1-Viren gleichzeitig auf der Südhalbkugel zirkulierten - zu Co-Infektionen gekommen sei. Solche Co-Infektionen bergen immer auch das Risiko neuer Reassortanten, warnen die Virologen. Damit könnten neue pandemische Stämme entstehen. Besorgt sind die Forscher besonders über das mögliche Entstehen Oseltamivir resistenter Reassortanten. In Neuseeland waren 2009 alle getesteten saisonalen H1N1-Viren gegen Tamiflu® resistent, alle pandemischen H1N1-Viren empfänglich für den Neuraminidasehemmer.

Die Genese gefährlicher Reassortanten des Influenza-Virus müsse weiter untersucht werden, in vitro und in Tiermodellen. Die Analyse natürlicher Co-Infektionen im Menschen könnte dessen Rolle als Wirt für ein Reassortment von Grippe-Viren klären.

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