Ärzte Zeitung online, 06.01.2011

Die Schweinegrippe kehrt zurück - als gewöhnliche Wintergrippe

BERLIN (mut). Die Schweinegrippe ist zurück - zumindest in den Medien. Tatsächlich ist die Zahl der Infizierten in Deutschland noch sehr niedrig. Und wer gegen Grippe geimpft ist, muss sich erst recht keine Sorgen um die Schweinegrippe machen.

Die Schweinegrippe kehrt zurück - als gewöhnliche Wintergrippe

Die Impfung - wirksamer Schutz gegen die Schweinegrippe.

© dpa

Mit dem Tod zweier Menschen in Niedersachsen hat es die Schweinegrippe vor kurzem wieder in die Schlagzeilen geschafft. Dass die Krankheit nach der Pandemie im vergangenen Jahr plötzlich vom Erdboden verschwindet, hat eigentlich niemand ernsthaft geglaubt.

Und so ist es wenig überraschend, dass auch in diesem Jahr wieder ungeimpfte Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Virus sterben. Schließlich verdrängen Pandemie-Viren häufig die saisonalen Erreger und werden selbst zu gewöhnlichen, regelmäßig wiederkehrenden Grippeviren.

Ähnliches scheint auch für das Schweinegrippe-Virus A/H1N1 in Europa zu gelten. In Analysen des Robert-Koch-Institus (RKI) von Oktober bis Ende Dezember enthielten 77 Prozent der subtypisierten Proben von Influenzakranken in Deutschland das H1N1-Virus.

Im Vergleich dazu enthielten nur 3 Prozent das sonst übliche H3N2-Virus und 20 Prozent einen Influenza-B-Erreger (Influenza Wochenbericht KW 52). Das bedeutet: Auch in dieser Saison dominiert in Deutschland die Schweinegrippe, wenngleich sie jetzt zur saisonalen Grippe zählt.

Ähnlich sieht die Situation im übrigen Europa aus: Hier wurde bei zwei Drittel der analysierten Influenza-Proben H1N1 festgestellt, bei 30 Prozent Influenza B.

Da sich das Virus nach bisherigen Erkenntnissen kaum verändert hat, ist auch das Gefährdungspotenzial praktisch gleich: Mit schwerwiegenden Komplikationen müssen - wie im vergangenen Winter - vor allem Schwangere und chronisch Kranke rechnen.

Dies ließ sich bereits in Großbritannien beobachten: Hier starben über 20 Menschen an H1N1-Infektionen, alle waren ungeimpft und zählten zu den bekannten Risikogruppen.

Auch in Deutschland dürfte es bereits mehr als die zwei bekannten Todesfälle gegeben haben. Da die Schweinegrippe nicht mehr meldepflichtig ist, werden in dieser Saison jedoch keine genauen Zahlen zu Infizierten und Toten ermittelt.

Den besten Schutz bietet nach wie vor die Impfung, und hierbei genügt die herkömmliche Grippe-Impfung - sie richtet sich gegen alle drei derzeit zirkulierenden Influenzastämme, also auch gegen die Schweinegrippe.

Nach den bisherigen Tests ist die Impfung gegen diese Erreger auch weiterhin gut wirksam. Resistenzen gegen Neuraminidasehemmer wurden bei den aktuellen Stämmen nicht beobachtet - die Medikamente sollten daher auch bei Patienten mit beginnenden Symptomen gute Dienste leisten.

Nach den aktuellen Sentineldaten liegt derzeit bei jedem zweiten Patienten mit akuter Atemwegserkrankung eine Influenzainfektion vor, insgesamt ist die Zahl der Infektionen aber erst moderat erhöht. Am häufigsten sind Atemwegserkrankungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung für alle Menschen über 60 Jahre sowie - unabhängig vom Alter - für chronisch Kranke, etwa mit Asthma oder COPD, Herzerkrankungen oder Diabetes.

Die Impfung lohnt sich auch jetzt noch. Zwar dauert es dann zwei Wochen, bis ein zuverlässiger Schutz besteht, da die Influenza-Aktivität aber noch relativ gering ist, ist auch die Gefahr niedrig, sich in der Zwischenzeit anzustecken.

Weitere aktuelle Berichte zum Thema Schweinegrippe

[06.01.2011, 13:09:04]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Früher waren es die Russen. jetzt sind es die "Virussen" könnte man sagen, ...
wenn es nicht so ernst wäre. Tatsache ist, dass die aktuelle Influenzagefährdung die traditionellen Risikogefährdungen verlässt, in dem Kinder, Jugendliche, Schwangere und Patienten u n t e r 60 Jahren auch betroffen sind. Ältere Patienten haben bei der H1N1-Variante offensichtlich Rest- oder Kreuzimmunitäten, entweder wegen mehrfacher Influenzavorimpfungen oder wegen immunisierender Infektionen bei der historischen Influenzaepidemie 1977/1978.

Neuraminidasehemmer sind bei H1N1 wie auch bei der letzten Erkrankungswelle gut wirksam, Resistenzen wurden in unserer Region nicht beobachtet. Der Influenza Subtyp Virus A/H1N1 ist neben anderen A+B Varianten in den saisonalen Impfstoff eingearbeitet, denn die parallele Doppelimpfstrategie in der letzten Saison ist ja grandios gescheitert. Dies unter Anderem deshalb, weil von einer wirklichen Pandemie (wie auch bei der früheren "Vogelgrippe") niemals die Rede sein konnte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund

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