Ärzte Zeitung online, 01.04.2011

Warum werden Schweden nach der Schweinegrippe-Impfung tagesschläfrig?

Nur Schweden und Finnland melden Beziehung von Narkolepsie und Pandemrix®

Warum werden Schweden nach der Pandemie-Impfung tagesschläfrig?

STOCKHOLM (hub). Nun berichtet auch die schwedische Arzneimittelbehörde MPA über gehäufte Fälle von Narkolepsie nach der Impfung gegen Schweinegrippe. Das absolute Risiko ist mit 3 pro 100.000 Impflinge gering. Auch für die MPA ist ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung nicht gesichert.

Vor den Schweden hatten bereits die Finnen eine erhöhte Narkolepsierate in Bezug zur Impfung mit Pandemrix® berichtet. Hier lag die Rate bei Geimpften neunfach höher als bei Nicht-Geimpften.

Allerdings galt das nur für Impflinge zwischen 4 und 19 Jahrten (wir berichteten). Auch in Schweden wurde das Risiko-Signal nur bei Kindern und Heranwachsenden bis 19 Jahre beobachtet. Die Narkolepsierate betrug bei den Impflingen 4/100.000 und 1/100.000 bei den Nicht-Geimpften.

Die schwedische Behörde schreibt in ihrem Bericht, dass es einige Unsicherheiten hinsichtlich der Höhe des Risikos gebe. So sei etwa offen, ob unter den Geimpften nicht mehr Personen mit generell erhöhtem Narkolepsie-Risiko waren als unter den Nicht-Geimpften.

Und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut merkt in einer Stellungnahme an: "Zudem wurde aufgrund des Studiendesigns nicht geklärt, ob das erste Auftreten von Symptomen einer Narkolepsie tatsächlich nach der Impfung auftrat."

In der Narkolepsie-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird darauf hingewiesen, dass die Pathophysiologie der Erkrankung multifaktoriell sei und mit Störungen im cholinergen und noradrenergen System sowie einer Verminderung Hypocretin-(Hcrt-)haltiger Neurone im dorsolateralen Hypothalamus einhergehe.

Außerdem sei Narkolepsie die Krankheit mit der höchsten HLA-Assoziation: 98 Prozent der kaukasischen Narkolepsie-Patienten hätten einen bestimmten HLA-Typ. Auch die WHO hatte im Rahmen der Diskussion um Pandemrix® und Narkolepsie genetische Faktoren betont (wir berichteten).

Wissenschaftlich interessant ist das Thema auf jeden Fall. Denn eine Zunahme an Narkolepsiefällen in Ländern, die Pandemrix® als Schweinegrippe-Impfstoff genutzt haben, wurde nur in Finnland, Schweden und Island registriert.Und: In Island liegt die Narkolepsierate auch bei nicht geimpften Kindern und Jugendlichen höher als erwartet.

Nun soll in einer Studie, an der acht europäische Länder beteiligt sind, dem Zusammenhang von Impfung und Tagesschläfrigkeit weiter nachgegangen werden.

Die Studie soll vor allem Klarheit bringen, ob der Pandemie-Impfstoff allein das Narkolepsie-Risiko erhöht hat oder dies gemeinsam mit weiteren Faktoren geschehen sei. Hier nennt die MPA etwa eine Influenza-Infektion in zeitlicher Nähe zur Impfung.

Lesen Sie dazu auch:
Narkolepsie und Pandemrix® - EMA nimmt Stellung
Schweinegrippe: Extrem schnell und wenig pathogen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »