Ärzte Zeitung online, 30.12.2011

Resistente Schweinegrippe-Viren in Deutschland?

Schweinegrippe-Viren mit einer Resistenz gegen Oseltamivir sind bisher in Deutschland selten. Australische Forscher rufen jetzt aber aufgrund eines gehäuften Auftretens solcher Viren zu verstärkter Aufmerksamkeit auf.

Mehr resistente Schweinegrippe-Viren auch in Deutschland?

Influenza A: Mehr Oseltamivir-Resistenzen beim Schweinegrippe-Virus.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag

MELBOURNE (mal). Australische Forscher appellieren, jetzt im Winter auf der Nordhalbkugel verstärkt auf Influenza A (H1N1)-Viren mit einer Resistenz auf den Neuraminidasehemmer Oseltamivir zu achten.

Sie haben im engen Umkreis der australischen Stadt Newcastle die Häufung einer übertragbaren Oseltamivir-resistenten H1N1-Influenzavirus-Variante beobachtet.

Zwischen Mai und August 2011 seien von 182 Patienten in Notaufnahmen, auf Intensivstationen oder in Praxen niedergelassener Ärzte Influenza A (H1N1)-Viren isoliert worden, berichten Professor Aeron C. Hurt vom WHO-Collaborating Centre in Melbourne und seine Kollegen (NEJM 2011; 365: 2541).

Bei 29 der Isolate, also 16 Prozent, habe es sich um Viren mit einer Resistenz gegen Oseltamivir gehandelt. Alle getesteten Isolate seien empfindlich auf Zanamivir gewesen.

Nur ein Betroffener hatte Oseltamivir genommen

Bis auf fünf Patienten hätten alle Personen mit resistenten Viren in einem 50-Kilometer-Umkreis von Newcastle gelebt.

Die resistenten Viren seien zu 99,9 bis 100 Prozent in ihrem Hämagglutinin und zu 99,6 bis 100 Prozent in ihrer Neuraminidase identisch gewesen, sodass die Verbreitung einer einzigen resistenten Virus-Variante naheliege.

Nur einer der 29 von den resistente Viren Betroffenen hatte vor Probenentnahme den Neuraminidasehemmer bekommen.

In zwei Haushalten gab es jeweils zwei mit dem resistenten Virus infizierte Personen, zwei andere Patienten hatten gemeinsam für kurze Zeit zusammen in einem Auto gesessen.

Zwischen den weiteren mit den resistenten Viren infizierten Personen habe es keine epidemiologischen Zusammenhänge gegeben.

Resistenzen bisher im einstelligen Prozentbereich

In Deutschland waren Oseltamivir-resistente Influenza-Viren bisher selten.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren von 983 im Winterhalbjahr 2009/2010 gewonnenen Isolaten des neuen H1N1-Virus nur zwei gegen den Neuraminidasehemmer resistent (0,2 Prozent).

In den USA hatten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 2445 H1N1-Isolate untersucht, 38 hatten eine Oseltamivir-Resistenz (1,6 Prozent).

Bereits im Sommer 2009 hat Dr. Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" darauf hingewiesen, dass für die weltweite Verbreitung einer Oseltamivir-resistenten Virus-Variante nicht der mögliche Selektionsvorteil der Resistenz entscheidend gewesen sein könne.

"Das war kein Ereignis aufgrund eines übergroßen Selektionsdrucks, sondern ein spontanes Ereignis", sagte Pfleiderer damals.

"Es ist eine Mutation entstanden, die unabhängig von der Oseltamivir-Resistenz zu einer fitteren Variante geführt hat."

Nur so könne man sich erklären, dass sich die Variante innerhalb von nur wenigen Monaten weltweit durchgesetzt habe, so Pfleiderer.

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