Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 30.12.2011

Schweinegrippe: Zwei Virus-Gene brachten die Pandemie

US-Forscher haben herausgefunden, warum das Schweinegrippe-Virus Influenza A/H1N1 in der Lage ist, per Tröpfchen-Infektion von Mensch zu Mensch übertragen zu werden: Erforderlich sind offenbar zwei bestimmte Gene.

Genetische Ausstattung macht Schweinegrippe-Virus zum Pandemie-Virus

Schweinegrippe-Viren: Zwei Gene brachten es zum "Erfolg".

© 2ndpic / fotolia.com

BETHESDA (ple). Das Schweinegrippe-Virus Influenza A/H1N1, das sich 2009 weltweit ausbreitete, enthält genetisches Material eines nordamerikanischen und eines eurasischen Schweinegrippe-Virus.

Beide ursprünglichen Virustypen sind zwar Auslöser sporadischer Infektionen von Menschen, eine Übertragung zwischen Menschen wurde jedoch mit diesen Viren nicht beobachtet.

US-Forscher haben jetzt im Tierversuch die Übertragbarkeit der pandemischen H1N1-Viren im Zusammenhang mit der genetischen Ausstattung analysiert (PLoS Pathog 7(12): e1002443). In Vergleichsgruppen verwendeten die Forscher die beiden Ursprungsvirustypen.

Wie die Forscher um Dr. Seema S. Lakdawala vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda berichten, brauchen die H1N1-Viren Gensegmente des eurasischen Ursprungsvirus, damit nach der H1N1-Vermehrung Virus-RNA-haltige Partikel aus der Lunge der als Versuchstiere verwendeten Frettchen in die Ausatemluft gelangen können.

Versuche an Frettchen

Für die Freisetzung der Viren in Form von Tröpfchen sind offenbar die Gene für das Enzym Neuraminidase (NA) und die Matrix-Proteine M1 und M2 des eurasischen Virus erforderlich.

Dabei korreliert die NA-Aktivität positiv mit der Größe der virushaltigen Partikel. Für eine erfolgreiche Verbreitung der Viren ist eine Tröpfchengröße über einem Mikrometer erforderlich.

Das Enzym spaltet Sialinsäure auf der Zelloberfläche und erleichtert damit die Freisetzung der Viren aus infizierten Zellen. Die Matrix-Proteine werden für den Zusammenbau der Viren benötigt.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die beiden Gensegmente zur pandemischen Verbreitung des Schweinegrippe-Virus maßgeblich beigetragen haben.

Die US-Forscher haben für ihre Versuche Frettchen verwendet, weil sie sich sehr leicht mit Influenzaviren infizieren lassen und effizient mit Influenzaviren von infizierten Menschen angesteckt werden können.

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