Ärzte Zeitung, 16.07.2007

Sommerakademie 2007

Viele Krebskranke bei Diagnose mangelernährt

Mangelernährte sprechen schlecht auf Chemotherapie an / Nahrung mit mehr als einem Drittel Fettanteil empfohlen

Je nach Erkrankung sind 10 bis 80 Prozent der Patienten mit Krebs mangelernährt. In die supportive Therapie der Kranken muss daher eine ernährungsmedizinische Betreuung eingebunden sein. Bereits zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose sind die Patienten meist schon mangelernährt.

Krebskranke brauchen eine supportive Therapie, um unerwünschte Folgen der Therapie zu mildern. Dazu gehört, die Ernährung zu optimieren. Foto: Klinikum Region Hannover

Tumorpatienten verlieren sowohl an Körperfett als auch an Muskelmasse. Ein solcher Verlust betrifft vor allem die Skelettmuskulatur, wie Dr. Gudrun Zürcher aus Freiburg sagt. Organgewebe, vor allem das Lebergewebe, bleiben dagegen erhalten. So ist eine Gewichtsabnahme um 30 Prozent auf einen Verlust von 85 Prozent des Gesamtkörperfetts und von 75 Prozent der Skelettmuskel-Proteinmasse zurückzuführen. Das geht nach Angaben von Zürcher aus der Analyse der Körperzusammensetzung hervor.

Komplikationen durch Wundheilungsstörung

Bei Mangelernährung ist das Risiko für Begleiterkrankungen, Komplikationen und vorzeitigen Tod erhöht und die Lebensqualität beeinträchtigt. So kommt es zum Beispiel vermehrt zu Komplikationen durch Wundheilungsstörungen, Infektionen und Sepsis. Die Patienten sprechen schlechter auf eine Chemotherapie an und benötigen längere Krankenhausaufenthalte.

Darüber hinaus ist nach Angaben von Zürcher Mangelernährung mit Depressionen und einer deutlichen Minderung der Leistungsfähigkeit assoziiert. Bereits bei einem Gewichtverlust von nur fünf Prozent des üblichen Gewichts vor der Krebserkrankung aufgrund einer unzureichenden Energie- und Eiweißaufnahme ist die Lebensqualität beeinträchtigt.

Wie groß die Energie- und Nährstoffzufuhr bei Tumorpatienten sein sollte, das bestimmen der Ernährungszustand, die Art der Erkrankung, die Begleiterkrankungen, die tumorspezifische Therapie sowie der klinische Zustand und die Prognose. Für die Energie- und Nährstoffzufuhr bei Krebspatienten gebe es keine festgelegten Empfehlungen, so Zürcher. Man gehe davon aus, dass der Gesamt-Energieumsatz

  • bei bettlägerigen Patienten 25 kcal/ kg Körpergewicht und Tag und
  • bei mobilen Patienten 30 bis 35 kcal/ kg Körpergewicht und Tag

beträgt. Die Eiweißzufuhr bei Krebspatienten sollte 1,2 bis 1,5 g / kg Körpergewicht und Tag betragen. Empfohlen wird zudem ein Fettanteil von über 35 Prozent der Gesamt-Energiezufuhr. Denn: Tumorkranke haben eine erhöhte Lipidoxidation und eine gesteigerte Utilisation des zugeführten Fettes.

Derzeit gibt es nach Angaben von Zürcher keine Belege für den positiven Einfluss einer hochdosierten Vitamin- und Spurenelement-Substitution auf das Überleben. Besonders auf hohe Dosen an Antioxidantien während einer Chemo- und Radiotherapie solle verzichtet werden. (eb)

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