Ärzte Zeitung online, 09.03.2010

Die hohe Sterberate bei Sepsis wollen Ärzte mit neuen Methoden halbieren

MÜNCHEN (dpa). In den vergangenen Jahren hat die Sterberate bei Sepsis nach Medizinerauskunft deutlich zugenommen. "Das ist eine Folge der Hochleistungsmedizin, da zunehmend immer kränkere Patienten behandelt werden", sagte Eugen Faist, Professor für Chirurgie am Münchner Universitäts-Klinikum Großhadern.

Durchschnittlich bekommen in Deutschland laut Faist bislang rund 420 Menschen pro Tag eine Sepsis. Fast jeder dritte Patient sterbe daran. Damit sei die Blutvergiftung die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, sagte Faist in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Internationalen Sepsis-Weltkongress, der in München.

Derzeit würden immer häufiger auch ältere Menschen operiert, die durch ihr Alter anfälliger für Sepsis seien. Zudem könnten schwer verletzte Unfallpatienten durch das moderne Rettungssystem heute länger am Leben gehalten werden. Diese massiv geschwächten Patienten seien dann häufig von schweren Infektionen betroffen und oft Opfer einer Blutvergiftung.

Durch den Einsatz von Stammzellen und neuen Methoden der Entzündungshemmung wollen Mediziner laut Faist die Zahl solcher Todesfälle in zehn Jahren jedoch halbieren. "Bei Schwerkranken mit Leberversagen, ohne verfügbares Transplantat, kann man beispielsweise versuchen, die Organfunktion durch die Gabe von Stammzellen zu erhalten." Bislang gebe es jedoch nur einzelne solcher Therapieversuche und daher keine verlässliche Statistik. Zudem werde versucht, bestimmte Eiweißmoleküle an weiße Blutkörperchen anzuheften, die dann eine übermäßige Zellstimulation und die daraus resultierende fatale Ganzkörperentzündung bei der Sepsis verhindern.

Eine Sepsis entsteht immer ausgehend von einer Infektion. "Wenn beispielsweise sehr aggressive Keime in den Körper eines Patienten eindringen, dessen Immunsystem bereits vorgeschädigt ist, dann kann aus der lokalen Infektion sehr schnell eine selbstzerstörerische Ganzkörperinfektion werden." Auf dem Internationalen Weltkongress "Trauma, Schock, Entzündung und Sepsis" werden vom 9. bis 13. März mehr als 2000 Besucher erwartet.

www.tsis2010.org

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