Sonntag, 19. Mai 2013
Ärzte Zeitung, 22.06.2012

Milzbrand beunruhigt das RKI

Wieder sind zwei Drogenabhängige an Milzbrand erkrankt. Verunreinigtes Heroin könnte die Ursache sein. Das wäre nicht zum ersten Mal der Fall.

Milzbrand bei Drogenkranken beunruhigt das RKI

Wie auf einem Rasen: Sporen von Bacillus anthracis.

© Laura Rose / CDC

BERLIN (eis). Im Raum Regensburg sind in den vergangenen zwei Wochen zwei i.v.-Drogenkonsumenten an Milzbrand erkrankt, einer ist gestorben.

Beide waren wegen einer entzündeten Injektionsstelle zum Arzt gekommen und hatten dann eine Sepsis entwickelt. Als deren Ursache wurde Bacillus anthracis nachgewiesen, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2012; 24: 226).

Das RKI betont, dass für die Allgemeinbevölkerung kein Risiko besteht. Milzbrand ist praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Als Ursache der Infektionen in Regensburg wird mit Milzbrandsporen verunreinigtem Heroin vermutet.

Bereits vor drei Jahren war es in Deutschland und Großbritannien durch verunreinigtes Heroin zu einer Häufung von Milzbrand bei Drogenabhängigen gekommen (Epi Bull 2010; 2: 15 und 49: 492).

Die beiden aktuellen Fälle legen nahe, dass erneut Heroin oder eine andere Substanz in Umlauf ist, die mit Milzbranderregern verunreinigt ist - möglicherweise auch außerhalb Bayerns.

Der jetzt gefundene Erreger ist identisch mit dem Ausbruchsstamm 2009/2010, so das RKI.

Früh an Milzbrand denken

Für die Behandlung gegen Milzbrand gibt es wirksame Antibiotika. Wichtig sind aber eine frühe Diagnose und frühe Therapie.

Zwischen Milzbrand und anderen Haut- oder Weichteilinfektionen lässt sich aber zu Beginn der Krankheit nur schwer unterscheiden.

Ärzte sollten daher bei der Behandlung und Betreuung von Drogenkranken frühzeitig an Milzbrand denken und bei Verdacht eine gezielte mikrobiologische Diagnostik veranlassen, rät das RKI.

Beim sogenannten Injektionsmilzbrand wird in der Regel eine mit Milzbrandsporen verunreinigte Substanz injiziert, so das RKI. Theoretisch ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Injektionsutensilien vorstellbar.

Typisch ist dabei die Entwicklung einer schweren entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle.

Ärztemerkblatt Milzbrand unter www.rki.de; "Infektionskrankheiten A-Z"

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