Ärzte Zeitung, 12.03.2004

Studie offenbart Defizite bei der Therapie von Tuberkulose-Patienten

Diagnose wird oft zu spät gestellt / Viele Kranke kriegen initial Mittel der zweiten Wahl

FRANKFURT AM MAIN (otc). Die Tuberkulose ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland immer mehr in den Hintergrund gerückt. Diagnose und Therapie von Patienten leiden darunter.

In Deutschland ist der Zeitraum, bis eine Tuberkulose diagnostiziert wird, zu lang. Die Zeitspanne zwischen dem ersten Arztbesuch und der Diagnose beträgt im Durchschnitt 1,85 Monate. In dieser Zeit können Tbc-Erreger weiter übertragen werden.

Dies sind erste Zwischenergebnisse einer epidemiologischen Studie, die Professor Robert Loddenkemper aus Berlin auf der Eröffnungs-Pressekonferenz des 45. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie vorgestellt hat.

Weitere Ergebnisse der Studie: 62 Prozent der Patienten werden initial mit vier oder fünf Antituberkulotika behandelt und 34 Prozent mit drei Medikamenten. Nur 82,5 Prozent der Patienten erhielten eine Medikamentenkombination, die mindestens - wie in Deutschland empfohlen - Isoniazid, Rifampicin und Pyrazinamid enthielt.

9,8 Prozent der Patienten wurden initial mit Medikamenten der zweiten Wahl behandelt. "Wir haben also sowohl in der Diagnose als auch in der Behandlung ein Defizit. Das liegt auch daran, daß den angehenden Ärzten an der Universität zuwenig über Tuberkulose vermittelt wird", betonte Loddenkemper.

"In einigen Gebieten der Welt nehmen zudem Therapie-Probleme bei Tuberkulose zu", sagte er. Die Entwicklung multiresistenter Tbc-Erreger ist ein großes Problem, besonders in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. "Hier gibt es bereits Resistenz-Raten von 30 bis 35 Prozent."

Infos zum Kongreß unter www.dgp2004.de

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