Ärzte Zeitung, 26.10.2004

Neue Tuberkulintests genauer als bisheriger Test

Verwendung von hochspezifischen Tb-Antigenen / Bewährter Test noch immer wichtigstes Diagnosemittel

BERLIN (grue). Mit jährlich etwa 350 Neuerkrankungen ist die Tuberkulose (Tb) bei Kindern selten, muß aber bei Verdacht früh diagnostiziert werden, und die Kinder müssen möglichst schon präventiv behandelt werden. Noch ist der bewährte Tuberkulin-Test das wichtigste Diagnosemittel. Neue Tests werden aber bereits in multizentrischen Studien geprüft.

Vorbereitung eines Tuberkulintests: Die Hautstelle für den Stempeltest muß vorher desinfiziert werden. Foto: dpa

Seit 114 Jahren gibt es den Tuberkulin-Hauttest, der zu Zeiten hoher Tuberkulose-Inzidenz auch eine hohe Spezifität und Sensivität aufwies. Anstelle der rückläufigen M.-tuberculosis-Infektionen rücken nun häufiger Infektionen mit atypischen Umwelt-Mykobakterien. Zwischen diesen beiden kann der Tuberkulintest wegen der Kreuzreaktivität nicht unterscheiden.

"Der Test hat deutlich an Spezifität verloren und liefert nur dann halbwegs zuverlässige Ergebnisse, wenn gezielt wegen Verdachts auf M.-tuberculosis-Infektion untersucht wird", sagte Dr. Klaus Magdorf von der Lungenklinik Heckeshorn bei einem Kinderärzte-Kongreß in Berlin.

Sinnvoll sei der Test zum Beispiel, wenn Patienten Kontakt mit Tuberkulose-Kranken hatten oder aus Hochrisiko-Gebieten kommen. Aber selbst dann seien die Ergebnisse des Hauttests schwierig zu interpretieren, weil die Tuberkulin-Reaktion in Abhängigkeit vom Alter und der lokalen Tuberkulosehäufigkeit stark schwankt. "Es wurden deshalb neue immunologische Tests entwickelt, die hochspezifische Tb-Antigene verwenden".

Dabei werden entweder Parameter der T-Zell-Antwort oder die daraus resultierende Gamma-Interferon-Produktion gemessen. "Beide Testverfahren haben eine Spezifität von 99 Prozent und sind darin dem herkömmlichen Test bei allen Patienten einschließlich den BCG-Geimpften überlegen", so Magdorf.

Die Testsysteme seien allerdings teuer, "langfristig dürfte sich das aber rechnen, weil es keine falsch-positiven Testergebnisse gibt". Dadurch ließen sich unnötige Nachkontrollen und Therapien vermeiden. Die beiden Testsätze (Quantiferon® Tb-Gold-Test und T-Spot TB) werden derzeit in multizentrischen Studien untersucht und stehen auch in Laboratorien von Tb-Zentren zur Verfügung.

Außerdem gibt es Ansätze für duale Hauttests, die gleichzeitig mit regulärem Tuberkulin und dem als Sensitin bezeichneten Tuberkulin von Umwelt-Mykobakterien arbeiten. All dies sei noch nicht ausgereift, "wir müssen uns deshalb noch längere Zeit mit dem konventionellen Tuberkulin-Hauttest begnügen", sagte Magdorf.

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