Ärzte Zeitung, 03.04.2006

Resistenzen gegen Medikation bei Tuberkulose nehmen zu

Multiresistenzen besonders bei Patienten aus dem Osten

NÜRNBERG (otc). In Deutschland ist die Rate der Tuberkulose (TB)-Neuinfektionen zwar unverändert rückläufig. Dies sei aber kein Grund für eine Entwarnung, so Professor Robert Loddenkemper aus Berlin.

Die grünen Stäbchen in der Freßzelle sind Tuberkelbakterien. Foto: Kaufmann / MPI für Infektionsbiologie

So sei in deutschen Großstädten wie Berlin die Neuerkrankungsrate von 1994 bis 2004 um neun Prozent gestiegen. Außerdem habe die Zahl der Resistenzen gegen mindestens eines der fünf Erstrangmedikamente von 11 auf 14 Prozent zugenommen, sagte Loddenkemper beim Pneumologen-Kongreß in Nürnberg.

Bei der Multiresistenz (MDR-TB), also gleichzeitiger Resistenz gegen Isoniazid und Rifampicin, seien die Zahlen von 2,3 auf 2,5 Prozent gestiegen. Besonders hohe Raten seien bei Patienten aus den neuen unabhängigen Staaten wie Armenien und Aserbaidschan zu beobachten: Hier haben 38 Prozent der Patienten eine Resistenz gegen eines der Hauptmedikamente und 14 Prozent eine Multiresistenz.

Da die Migration auch die nächsten Jahre vermutlich von Ost nach West gehen werde, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Situation in Deutschland ändert, gab Professor Tom Schaberg aus Rotenburg zu bedenken.

Um Abhilfe zu schaffen, seien international koordinierte Programme notwendig. Ein solcher Schritt ist etwa "The Global Plan to Stop TB 2006-2015", der von der Stop TB Partnership auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos 2006 vorgestellt wurde.

Er sieht vor, etwa 50 Millionen Tuberkulose-Patienten erfolgreich zu behandeln, inklusive 800 000 Patienten mit MDR-TB, sowie drei Millionen Patienten mit HIV-Koinfektion. Ziel ist, bis 2015 etwa 14 Millionen Todesfälle zu verhindern.

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