Ärzte Zeitung, 30.10.2006

Experten befürchten Verbreitung extrem resistenter TB-Erreger

Über 70 Tote bei Ausbruch in Südafrika / Keime vereinzelt auch in Deutschland

NEU-ISENBURG (mut). Tuberkulose-Experten warnen vor der Verbreitung von extrem multiresistenten TB-Erregern. So breitet sich in Südafrika derzeit ein aggressiver TB-Stamm aus. Etwa 74 Menschen sind bei Ausbrüchen gestorben - und zwar im Schnitt zwei Wochen nach der Diagnose. Auch in Deutschland werden vereinzelt äußerst resistente TB-Bakterien nachgewiesen.

Bei Tuberkulose ist Antibiose oft wirkungslos
Anteil der TB-Kranken mit extrem multiresistenten Erregern (XDR)
In der Republik Südafrika haben nach aktuellen Daten etwa sechs Prozent der Tuberkulose-Kranken extrem resistente Keime.

In Südafrika waren praktisch alle TB-Kranken zudem HIV-infiziert. Darauf hat Dr. Clifton E. Berry aus Bethesda in den USA hingewiesen. Was den TB-Experten besonders beunruhigt, ist die hohe Letalität. Bisher hat nur ein Patient die Erkrankung überlebt. Zudem tötet das mutierte TB-Bakterium ungewöhnlich schnell: Im Schnitt starben die Patienten 16 Tage nach der Diagnose. "Es handelt sich um einen hochinvasiven Stamm", so Berry bei einem Symposium von Novartis in St. Petersburg.

Extrem multiresistente Stämme, kurz XDR-Stämme, seien in den vergangenen Jahren vereinzelt auch in Deutschland nachgewiesen worden, sagte Dr. Sabine Rüsch-Gerdes vom Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel zur "Ärzte Zeitung". Allerdings sei die Zahl sehr gering.

Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich etwa 6500 Menschen neu an TB, davon 200 mit Erregern, die gegen mindestens zwei der wichtigsten TB-Therapeutika resistent sind. XDR-Stämme sind zusätzlich gegen zwei weitere Antibiotika resistent.

Wie viele TB-Patienten in Deutschland einen XDR-Stamm haben, kann Rüsch-Gerdes noch nicht sagen - die Zahlen werden gerade ausgewertet. Legt man XDR-Inzidenzen aus anderen Industrieländern zugrunde, dürfte die Zahl jedoch unter 20 Patienten pro Jahr liegen.

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Ein äußerst virulenter Tuberkulose-Stamm läßt HIV-Infizierten in Südafrika kaum eine Chance

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