Ärzte Zeitung online, 17.10.2008

Ärzte ohne Grenzen fordern mehr Tuberkulose-Forschung

BERLIN (dpa). Mit gespielten Todesszenen vor dem Bundestag in Berlin hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mehr deutsches Engagement für die Tuberkuloseforschung gefordert. Deutschland sollte nach Berechnungen der Organisation pro Jahr 63 Millionen Euro für dieses Forschungsgebiet ausgeben. Im Jahr 2007 habe die Bundesrepublik aber nur 9,5 Millionen Euro investiert, kritisierten Ärzte ohne Grenzen am Donnerstag.

In jeder Minute sterben nach Angaben der Hilfsorganisationen weltweit mehr als drei Menschen an Tuberkulose. Ohne deutlich mehr Forschung sei das Problem nicht mehr in den Griff zu bekommen.

Ihrer Forderung verlieh die Hilfsorganisation mit gespielten Szenen vor dem Reichstag Nachdruck. Dort starben "Patienten", während sie in einer Schlange auf einen Arzt warteten. Die Darsteller standen symbolisch für Millionen Tuberkulose-Kranke, die weltweit auf eine Diagnose oder teure Medikamente warten.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen starben im Jahr 2006 etwa 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Die Bedeutung der bakteriellen Infektionskrankheit nehme weiter zu, weil es mehr Resistenzen gegen Tuberkulose-Medikamente gebe. Auch Menschen mit einer HIV-Infektion oder Aids sind anfälliger für die ansteckende Krankheit.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde nach Angaben der Hilfsorganisation kaum noch zur Tuberkulose geforscht. Die Standard- Medikamente seien mehr als 40 Jahre alt, die gängigste Diagnostikmethode in ärmeren Ländern sei sogar mehr als 120 Jahre alt.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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