Ärzte Zeitung online, 26.02.2009

Jenaer entwickeln neuen Tuberkulose-Wirkstoff

JENA (dpa). Im Kampf gegen die gefährliche Infektionskrankheit Tuberkulose haben Forscher aus Jena einen neuen Wirkstoff entwickelt. Ein US-Pharmakonzern habe sich bereits die Exklusivlizenz gesichert und wolle ein neues Medikament auf den Markt bringen, teilte ein Sprecher des Hans-Knöll-Instituts in Jena am Donnerstag mit.

Der Wirkstoff sei auch gegen die besonders bedrohlichen Antibiotika-resistenten Tuberkulose-Erreger wirksam, gegen die es bislang praktisch keine Therapie gebe. Weltweit sterben jährlich rund 2,5 Millionen Menschen am "weißen Tod".

Die zur Gruppe der Benzothiazinone gehörende Substanz habe in Laborversuchen den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis effizient abgetötet. An infizierten Mäusen wurde nach Angaben des Instituts außerdem nachgewiesen, dass der Wirkstoff die tödliche Krankheit heilen kann, ohne für die Tiere selbst schädlich zu sein. Neu an den Benzothiazinonen: Sie greifen die Tuberkulosebakterien an einer anderen zellulären Struktur an als alle bekannten Tuberkulosemedikamente.

Die Tuberkulose ist auch heute noch eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Sie tritt besonders in armen Regionen auf, hat aber auch in Industriestaaten vor allem als Folgekrankheit der Immunschwäche AIDS sowie durch Migration und Tourismus eine Renaissance erfahren.

Eine besondere Zellwandstruktur der Erreger sei verantwortlich dafür, dass es bisher nur wenige Medikamente gebe, die eine Infektion wirksam zurückdrängen können, teilte das Institut mit. Dabei sei bislang eine mehrmonatige Behandlung mit einer Kombination aus bis zu vier verschiedenen Arzneistoffen erforderlich. Vor allem für die Entwicklungs- und Schwellenländer würden hochwirksame, billige Medikamente benötigt. Ein besonderes Problem stellen bislang die multiresistenten Mykobakterien dar, denen die heute verfügbaren Antibiotika nichts mehr anhaben können und die sich weltweit rasant ausbreiten.

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