Ärzte Zeitung online, 24.03.2009

WHO ruft zum Kampf gegen Tuberkulose auf

Rio de Janeiro (dpa). Tuberkulose und Aids hängen noch stärker zusammen als bislang gedacht. Nach dem neuesten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2007 rund 1,3 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB), die nicht mit HIV infiziert waren.

Hinzu kamen 456 000 TB-Todesfälle bei HIV-Infizierten, wie die UN-Behörde am Dienstag in Rio de Janeiro anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März mitteilte. Damit stehe fast jeder vierte TB-Todesfall im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion. Dies sei doppelt so viel, wie bislang angenommen. Insgesamt litten 2007 rund 13,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Sie sei weiterhin eine der weltweit häufigsten Todesursachen unter den Infektionskrankheiten.

Die WHO appellierte an alle Staaten, trotz der Finanzkrise im Kampf gegen Tuberkulose nicht nachzulassen und weiter Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Finanzkrise dürfe die Anstrengungen gegen die Infektionskrankheit nicht behindern, warnte der Direktor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, Michel Kazatchkine. Es sei jetzt an der Zeit, die Finanzierung zu erhöhen, um Vorsorge und Behandlung effektiv zu gestalten. WHO-Direktorin Margaret Chan mahnte dringend eine verstärkte Untersuchung von TB-Patienten auf HIV an.

Absolut stieg die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen dem Bericht zufolge an. Danach wurden 2007 schätzungsweise 9,27 Millionen neue Fälle diagnostiziert. 2006 waren es 9,24 Millionen. Die meisten Neuerkrankungen wurden in Asien (55 Prozent) und Afrika (31) registriert. Im Pro-Kopf-Verhältnis nahm die Zahl der Neuerkrankungen dagegen ab. 2007 wurden auf 100 000 Einwohner 139 Fälle registriert. 2004 waren es 142. Tuberkulose, früher unter der Bezeichnung Schwindsucht bekannt, kann etwa beim Husten übertragen werden. In der Regel lässt sich TB mit Antibiotika heilen.

Experten sorgen sich aber wegen der weltweiten Zunahme resistenter Erreger und die unheilvolle Kombination von TB und Aids. Dies seien die größten Herausforderungen, heißt es in dem WHO-Bericht. 2007 hätten etwa 500 000 Menschen die Medikamenten-resistente Form der TB (MDR-TB) gehabt, von denen aber nur ein Prozent WHO-Standards behandelt würden. Der Welttuberkulosetag erinnert an die Entdeckung des Mycobacterium tuberculosis durch Robert Koch am 24. März 1882 in Berlin.

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