Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

WHO: Erstmals weniger Tuberkulose-Neuerkrankungen

In Deutschland tritt sie nur selten auf, aber vor allem in Entwicklungsländern zählt die Tuberkulose zu den größten "Killern" unter den Infektionskrankheiten. Zwar nehmen laut der WHO endlich die Neuerkrankungen ab, doch für Selbstzufriedenheit ist es noch zu früh.

WASHINGTON (dpa). Erfolge im Kampf gegen die Tuberkulose (TB): Die Zahl der weltweit neu durch eine Infektion erkrankten Menschen ist 2010 erstmals gefallen, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. Oktober in Washington mit.

Zudem habe die Krankheit im vergangenen Jahr so wenig Todesopfer gefordert wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. "Dies ist ein Grund zum Feiern", sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban-ki Moon, anlässlich der Veröffentlichung des TB-Jahresberichtes in einer Mitteilung.

Dennoch ist TB nach Ansicht der WHO noch viel zu weit verbreitet. Rund 8,8 Millionen Menschen hätten sich 2010 mit ihr angesteckt, etwa 1,4 Millionen seien gestorben.

"Kein Grund zur Selbstzufriedenheit"

"Es gibt keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Ich dringe auf ernsthafte und dauerhafte Unterstützung für die Partnerschaft, TB zu stoppen", mahnte Ban. Insgesamt fehle weltweit eine Milliarde Dollar (730 Millionen Euro), um auch 2012 entschieden gegen die Ausbreitung vorzugehen.

Seit 1995 sind laut WHO 46 Millionen Menschen erfolgreich geheilt und 7 Millionen vor dem Tod bewahrt worden. Allerdings werde rund ein Drittel der Fälle nicht den Behörden gemeldet.

Die drei großen "Killer" sind TB, HIV/Aids und Malaria

Die Tuberkulose gehört neben HIV/Aids und Malaria trotz der sinkenden Todesrate noch immer zu den drei größten "Killern" unter den übertragbaren Krankheiten. Sie trifft meist Jugendliche und junge Erwachsene und befällt vor allem die Lunge, aber auch andere Organe.

Die Zahl der TB-Toten sei seit 1990 um 40 Prozent gefallen, heißt es in dem WHO-Bericht. Bis 2015 könnte der Rückgang 50 Prozent betragen.

Vor allem in Afrika verlaufe der Kampf gegen die früher als Schwindsucht bekannte Krankheit aber teilweise noch zu stockend. Sehr große Erfolge seien dagegen in China und Brasilien zu beobachten.

Erreger sind stäbchenförmige Bakterien, die in den frühen 1880er Jahren vom Berliner Mediziner Robert Koch entdeckt und beschrieben wurden.

In der Regel kann eine Tuberkulose mit Antibiotika behandelt werden. Eine erfolgreiche Ausheilung ist jedoch aufwändig und langwierig.

Ein großes Problem sind heute Bakterien, die auf gängige Medikamente nicht mehr ansprechen, also resistent gegen die Wirkstoffe geworden sind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »