Ärzte Zeitung App, 30.10.2014

WHO-Report

Kaum noch Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose

Im zweiten Jahr in Folge stagnieren global betrachtet Inzidenz, Prävalenz und Sterberate bei Tuberkulose. Viele bis 2015 gesetzte Ziele zur Eindämmung der Krankheit lassen sich nun wohl nicht mehr erreichen.

Von Thomas Müller

Es ist eigentlich fast geschafft. Doch auf der Zielgeraden lässt der Elan deutlich nach: Bis 2015 wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die TB-Inzidenz senken und die TB-Mortalität sowie -Prävalenz verglichen mit 1990 halbieren. Das erste Ziel ist längst erreicht, die Inzidenz der Erkrankung fiel von 148 auf nunmehr 126 TB-Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner.

Für die anderen beiden Ziele fehlt zwar nicht mehr viel, doch im Vergleich zum Vorjahr weisen viele Zahlen zur Ausbreitung der TB wieder leicht nach oben, macht der aktuelle "Global Tuberculosis Report 2014" der Organisation deutlich.

Neun Millionen TB-Kranke weltweit

In dem Bericht wird für 2013 eine geschätzte Zahl von neun Millionen TB-Neuerkrankungen genannt - 2012 waren es noch 8,6 Millionen. Auch wird die Prävalenz etwas höher beurteilt als noch im Jahr zuvor. Ein ähnlicher Trend deutet sich bei der Sterbeziffer an.

So starben 2013 im Schnitt 15 von 100.000 Menschen an TB, 2012 waren es noch 13. Insgesamt schätzt die WHO die Zahl der TB-Toten auf 1,5 Millionen für das vergangene Jahr, 200.000 mehr als noch 2012. Allerdings seien die steigenden Zahlen primär auf genauere Daten in den jeweiligen Ländern zurückzuführen.

So geht die WHO davon aus, dass etwa die TB-Inzidenz zwischen 2012 und 2013 sogar um 0,6 Prozent leicht gefallen ist.

Wie man es dreht und wendet - unterm Strich lassen sich jedenfalls kaum noch weitere Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose ausmachen.

Die WHO geht daher auch davon aus, dass die anderen beiden Millenniumsziele ,eine Reduktion der TB-Mortalität und -Prävalenz um 50 Prozent, nicht mehr erreicht werden. Die Sterberate ist aber seit 1990 immerhin um 45 Prozent gefallen und die Prävalenzrate um 41 Prozent.

Nur zwei Regionen haben alle Milleniumsziele erreicht

Von den sechs WHO-Regionen haben bislang zwei alle Millenniumsziele erreicht: Amerika (Nord- und Südamerika) sowie der westliche Pazifik - dazu zählen etwa China, Vietnam, Mongolei, Malaysia und Australien. Gute Chancen, es bis 2015 noch zu schaffen, sieht die WHO auch für Südostasien (Indien, Bangladesch, Myanmar).

Dort wohnen zwar noch immer mehr als die Hälfte der TB-Infizierten, in den vergangenen Jahren ist die Rate der Neuinfektionen aber drastisch zurückgegangen.

Große Probleme gibt es nach wie vor im südlichen Afrika, in den arabischen Ländern und dem Nahen Osten sowie in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Hier nehmend die Prävalenz- und Mortalitätsraten nur langsam ab.

In Afrika ebnet HIV häufig den Weg für Tuberkulose: Von den insgesamt 1,1 Millionen HIV-positiven TB-Kranken stammen vier Fünftel aus Afrika.

Länder mit starker HIV-Prävalenz wie Südafrika, Lesotho oder Swasiland weisen mit 1000 TB-Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner die weltweit höchsten Inzidenzraten auf. Es infiziert sich also etwa ein Prozent der Bevölkerung jedes Jahr neu mit TB.

Hoffnung machen immerhin die weltweit hohen Erfolgsraten bei der TB-Therapie: So ließ sich die Erkrankung bei 86 Prozent der neu Behandelten durch den Antibiotikamix kontrollieren. Mit einem Therapieerfolg von nur 75 Prozent hinken die Länder der ehemaligen Sowjetunion aber deutlich hinterher.

Rückgang der Sterberate um 95 Prozent anvisiert

Wenig Fortschritte gibt es jedoch bei der Eindämmung Antibiotika-resistenter TB-Stämme. So hatten sich etwa einen halbe Million Menschen im Jahr 2013 einen multiresistenten TB-Keim zugezogen, das waren 3,5 Prozent aller Neuinfizierten und etwa 20 Prozent aller schon einmal Behandelten. Von diesen Patienten ließ sich nur rund die Hälfte erfolgreich therapieren.

Was ist also zu tun, damit die Bemühungen im Kampf gegen TB fruchten? Für das südliche Afrika schlägt die WHO vor allem eine konsequentere HIV-Therapie vor - dies sei der beste Weg, um die hohe Sterberate von Patienten mit TB und HIV zu senken.

Bisher würden erst etwa 70 Prozent aller Doppeltinfizierten eine antiretrovirale Behandlung erhalten, heißt es in dem Bericht. Weiterhin fehlt es in vielen Ländern an den Mitteln, um eine TB zuverlässig aufzuspüren und die Patienten zu behandeln. Nach Schätzungen der WHO würden jährlich etwa acht Milliarden Dollar benötigt, um TB einzudämmen, derzeit werden jedoch nur rund sechs Milliarden Dollar eingesetzt.

Nichtsdestotrotz gibt sich die Organisation zuversichtlich und verkündet bereits neue, noch ehrgeizigere Ziele für die Zeit nach 2015. Bis 2035 will sie TB weitgehend zurückdrängen: Auf dem Wunschzettel der WHO steht eine 90-prozentige Senkung der TB-Inzidenz und ein 95-prozentiger Rückgang der Sterberate - verglichen mit 2015.

Neue Antibiotika, wirksame Impfstoffe sowie gebündelte globale Anstrengungen sollen diese Vision ermöglichen.

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