Ärzte Zeitung, 17.10.2016

Tuberkulose

Die WHO fordert mehr Anstrengungen

TB-Patienten werden in vielen Ländern schlecht versorgt, kritisiert die WHO im neuen TuberkuloseReport. Probleme gibt es in Afrika, Asien und Osteuropa.

WASHINGTON. Die WHO fordert weltweit stärkere Anstrengungen im Kampf gegen Tuberkulose. Das Gesamtausmaß der Epidemie sei größer als bislang gedacht, wie der jetzt vorgestellte Tuberkulose-Report 2016 der Organisation mit Daten aus 202 Ländern und Regionen ergeben hat. Die Erkrankungsraten gehen danach nur ganz langsam zurück.

Weltweit sind 2015 etwa 10,4 Millionen Menschen an TB erkrankt. 2014 war die Zahl noch auf 9,6 Millionen geschätzt worden, doch die Meldedaten vor allem in Indien hatten sich als fehlerhaft erwiesen. Danach gab es 2015 schätzungsweise 1,8 Millionen TB-Todesfälle, 400.000 der Betroffenen waren auch HIV-infiziert. Trotz eines Rückgangs der Todesopfer seit der Jahrtausendwende um 22 Prozent zählt die Infektionskrankheit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen auf der Welt.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) nannte die Zahlen schockierend. "Betroffenen Ländern gelingt es nicht, Millionen Menschen mit TB zu diagnostizieren und zu behandeln", kritisierte Greg Elder, der die MSF-Medizinkampagne koordiniert. Und WHO-Generaldirektorin Margret Chan betont: "Es muss einen massiven Anstieg der Bemühungen geben, oder Staaten werden weiter der tödlichen Erkrankung hinterherlaufen". Insgesamt 60 Prozent der TB-Neuerkrankungen gab es 2015 in Indien, Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika. "Der weltweite Fortschritt hängt vor allem von der Weiterentwicklung der Behandlung und Vorsorge der TB in diesen Ländern ab", schreibt die WHO.

Mehr als die Hälfte der neuen TB-Fälle betrafen Männer (5,9 Mio), ein Drittel Frauen (3,5 Mio) und ein Zehntel Kinder (1 Mio). Rund 1,2 Millionen Neuerkrankte waren zugleich HIV-positiv, das Gros von ihnen aus Afrika. Fast 600.000 der Erkrankten haben Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt, schätzt die WHO, fast die Hälfte davon in Indien, China und Russland. Hier sind Notfall-Antibiotika nötig.

Die Erkrankungsrate sank dem Report zufolge von 2014 auf 2015 um 1,5 Prozent. Um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu verwirklichen, müsse bis 2020 jedoch ein Rückgang von 4 bis 5 Prozent pro Jahr erreicht werden, hieß es. Diese Ziele sehen vor, bis 2030 im Vergleich zu 2015 die Zahl der Todesfälle durch TB um 90 Prozent, die der Neuerkrankungen um 80 Prozent zu reduzieren.

In Deutschland ist TB selten – trotz Zunahme durch Migranten aus Ländern mit hoher Prävalenz. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »