Ärzte Zeitung, 10.01.2006

Das Vogelgrippe-Virus hat den Bosporus erreicht

Vogelinfluenza bei Hühnern nahe Istanbul entdeckt / Erneut Menschen mit dem Virus infiziert / WHO: Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung

ISTANBUL/BERLIN (dpa). Das Vogelgrippe-Virus hat sich in der Türkei inzwischen bis weit in den Westen ausgebreitet und erneut Menschen infiziert. In Deutschland wird verstärkt an Straßen und Flughäfen nach illegal eingeführtem Geflügel aus der Türkei gefahndet.

Mitarbeiter von Gesundheitsbehörden sammeln in der türkischen Provinz Erzurum Geflügel ein, um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen. Foto: dpa

In der Türkei haben sich erneut fünf Menschen mit einem Vogelgrippe-Virus infiziert. Vier Patienten kommen aus Provinzen im Schwarzmeergebiet, der fünfte aus der osttürkischen Provinz Van. Ob es sich bei dem Influenza-Virus um den für Menschen gefährlichen Typ H5N1 handelt, an dem in der Türkei bisher drei Menschen gestorben sind, sei aber noch unklar, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Insgesamt seien bisher bei zwölf Menschen in der Türkei Infektionen mit Vogelinfluenza-Viren nachgewiesen worden. Über 40 Menschen würden derzeit noch mit Verdacht auf Vogelgrippe in Kliniken behandelt.

Auch nach dem aktuellen Ausbruch der Vogelgrippe in der Türkei gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Anzeichen für eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. "Glücklicherweise bleibt es bis jetzt ein Tiervirus, das sich leicht von Huhn zu Huhn überträgt", so der Leiter des WHO-Influenzaprogramms, Dr. Klaus Stöhr, im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Sorge bereitet Experten jedoch die schnelle Verbreitung des Virus in der Türkei. Die Vogelgrippe war Ende vergangenen Jahres im Osten des Landes aufgetreten und hat sich mittlerweile bis weit in den Westen ausgebreitet. So wurde das Virus in Labortests auch bei Tieren in Kücükcekmece nachgewiesen, einem westlichen Außenbezirk der Zehn-Millionen-Stadt Istanbul. In Deutschland reagieren Behörden mit verschärften Kontrollen.

Das niedersächsische Agrarministerium wies die Sicherheitsbehörden gestern an, die Flüge aus der Türkei stärker zu kontrollieren. Bei den Reisenden wird nach mitgebrachten Lebensmitteln wie rohem Geflügelfleisch oder nach Federn gesucht. Die hessischen Gesundheitsbehörden fingen nach Angaben des Umweltministeriums mehrere Busse aus Ost- und Südosteuropa ab und überprüften sie auf illegale Lebensmitteleinfuhren.

Etwa 50 Polizisten und 15 Zöllner hatten am Montagmorgen damit begonnen, auf den Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet Busse aus Kroatien, Russland, Rumänien und der Türkei herauszuwinken. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Wiesbaden stellten die Kontrolleure dabei 300 Kilogramm Fleisch sicher.

Bund und Länder beraten noch in dieser Woche über Gefahren durch die Vogelgrippefälle in der Türkei. Am Donnerstag sei ein Arbeitstreffen der Staatssekretäre von Bund und Ländern zum gemeinsamen Vorgehen für den Fall geplant, daß Zugvögel die Krankheit einschleppen, sagte eine Sprecherin des Agrarministeriums in Berlin. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer hatte am Wochenende eine erneute Stallpflicht für Federvieh in Deutschland in Aussicht gestellt. "Wir gehen davon aus, daß man ab Anfang März wieder mit einer Aufstallung rechnen müßte", so Seehofer.

Vogelgrippe keine Gefahr bei Reisen

Eine Reisewarnung in die Türkei oder andere Länder mit Vogelgrippe-Ausbrüchen besteht nicht, denn mit der Tierkrankheit können sich nur Menschen infizieren, die engen Kontakt zu Geflügel haben. Reisende in Länder mit Vogelgrippe sollten jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen beachten. So empfiehlt das Auswärtige Amt für solche Länder:

  • keine Vogel- und Geflügelmärkte zu besuchen,
  • Kontakt mit lebendem und totem Geflügel zu meiden,
  • keine Vogelprodukte wie Fleisch und Federn nach Deutschland mitzubringen. Dies ist verboten.

Gebratenes Geflügel und gekochte Eier können problemlos gegessen werden, rohe Eier sollte man meiden. Zwar ist das Virus H5N1 bisher nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, Kontakt mit Infizierten sollte man aber sicherheitshalber ebenfalls meiden. (mut)

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