Ärzte Zeitung, 16.01.2006

KOMMENTAR

Wissen schützt vor Vogelgrippe

Von Thomas Müller

Die Diskussion um die Vogelgrippe-gefahr in Deutschland hat zumindest einen Vorteil: Sollten tatsächlich auf einem deutschen Geflügelhof massenweise Hühner umfallen, wird der Bauer wohl sofort an die Vogelgrippe denken und Alarm auslösen. Durch die schnelle Reaktion könnte verhindert werden, daß die Tierseuche hier Fuß faßt.

Schließlich lassen sich lokale Ausbrüchen noch gut kontrollieren. Das ist sogar in der Türkei im Oktober vergangenen Jahres gelungen, als in der betroffenen Schwarzmeer-Region das Geflügel schnell getötet wurde. Die neue Infektionswelle hat sich jedoch vom Südosten über die Türkei ausgebreitet.

Dort hatten die Behörden offenbar zu lange gezögert, und den meisten Menschen war die Gefahr gar nicht bewußt. Kinder, die arglos mit toten Hühnern spielen - solche Szenen wird es in Deutschland kaum geben.

Die Ausbreitung der Vogelgrippe ist kein unabwendbares Schicksal. Das Virus fällt vor allem dort auf fruchtbaren Boden, wo es den Menschen an Informationen und den Behörden am Handlungswillen fehlt - und das sind vor allem arme Regionen.

Wie sträflich es ist, den Seuchenschutz in bestimmten Gebieten zu vernachlässigen, hat die Türkei erfahren. Man muß wegen der Vogelgrippe keine Panik verursachen, aber im Ernstfall entschlossen handeln.

Lesen Sie dazu auch:
"Die Chancen sind gut, einen Vogelgrippe-Ausbruch in Deutschland schnell zu erkennen und zu stoppen"

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