Ärzte Zeitung, 24.02.2006

PRESSESTIMMEN

Vogelgrippe in Deutschland, Umgang mit infizierten Vogelkadavern auf Rügen, Kritik am Krisenmanagement der Regierungen auf Bundes- und Landesebene: Viele Tageszeitungen haben diese Themen im Laufe der Woche aufgegriffen.

Entwarnung oder Hysterie?

Die "Ostsee-Zeitung" aus Rostock warnt vor Überreaktionen.

Was passiert zur Zeit auf der Insel Rügen? Politiker aus Schwerin und Berlin kommen in Hubschraubern und treten sich auf den Schlips. Helfer in Schutzanzügen spielen vor Kameras Theater. Jeden Winter sterben an der Wittower Fähre 1000 bis 2000 Wildvögel. Nur ein Bruchteil der Tiere ist in diesem Jahr am H5N1-Virus gestorben. Kein Grund zur Entwarnung. Aber auch kein Grund für Hysterie, Notstand oder Bundeswehr.

Föderale Kleinstaaterei

Das "Handelsblatt" aus Düsseldorf kritisiert die Seuchenschutzquerelen zwischen Bund und Ländern.

Lange stritten die Länder über einen Pandemieplan des Bundes. Jetzt halten sie sich nicht daran. Das müssen sie auch nicht. Denn laut Verfassung darf ihnen die Bundesregierung beim Seuchenschutz keine Vorschriften machen. Dumm nur, daß sich das Virus nicht ans Grundgesetz hält. Während Minister Seehofer schon nach der EU ruft, um der illegalen Einfuhr von Geflügel Herr zu werden, versinken die nationalen Schutzvorkehrungen in föderaler Kleinstaaterei. Hier ist in der Tat Katastrophenalarm angebracht!

Die Stunde des Staates schlägt

Bestmögliche Aufklärung fordert die "Berliner Zeitung".

Was in letzten Tagen auf Rügen zu besichtigen war, zeigt: Die verantwortlichen Politiker üben noch. Bei Seuchenalarm schlägt die Stunde des Staates, selten hängt das Wohlergehen des Einzelnen so vom Handeln des Staates ab. Er muß unsere Gesellschaft in die Lage versetzen, nicht panisch sondern rational zu reagieren. Das können Individuen nur, wenn sie maximal aufgeklärt sind etwa über den Gebrauch von Tamiflu und das Einmaleins der Quarantäne-Maßnahmen. Darauf wartet man noch.

Impfung für Mensch und Tier

Auf Prävention setzt die Weimarer "Thüringische Landeszeitung" .

Beseitigt werden kann die Gefahr durch Vogelgrippe nur, wenn Präventionsmaßnahmen greifen. H5N1 wird nicht einfach wieder verschwinden. Nötig ist Impfschutz für Mensch und Tier. Und wichtig ist auch Klarheit darüber, wie die Infektionswege verlaufen. Denn nach den Tieren ist der Mensch in höchster Gefahr.

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